Sonntag, 3. September 2017

Buchtipp: „Der Orchideenkäfig“ von Herbert W. Franke

«Der Orchideenkäfig» war jener Roman, mit dem ich als Teen Herbert W. Frankes Science-Fiction kennen lernte. Darauf las ich aus seiner Feder einen Roman um den anderen und auch die bei Suhrkamp erschienenen Kurzgeschichten, bis ich an den Punkt gelangte, an dem ich sehnlichst auf die nächste Publikation wartete: auf den Roman «Zentrum der Milchstrasse» stürzte ich mich 1990 bei dessen Erscheinen wie ein Süchtiger und erkannte gerade auch darin den Protagonisten, Alvin Katz, als Spiegelbild.

«Der Orchideenkäfig» ist zum einen zunächst einfach ein tolles, packendes Abenteuer auf einem fernen Planeten, der - Achtung Spoiler! - von einer (scheinbar) verschwunden, hoch entwickelten Spezies bevölkert worden war. Es gibt was zu sehen dort, sozusagen. Die Protagonisten finden einen weitläufigen Tummelplatz vor. 
Zum anderen wirft Franke die Frage auf, wohin die Reise der Menschheit gehen wird, wenn sie sich technisch in die gleiche Richtung entwickelt wie die anscheinend verschwundene Spezies. Diese Entwicklung illustriert er unter anderem anhand der Technologie, die die Menschen verwenden, um überhaupt auf den fernen Planeten zu gelangen und sich dort frei zu bewegen (technologisch übertroffen wird sein dafür erstelltes Modell eigentlich nur noch durch jenes, mit dem der Film «Avatar» rund 50 Jahre später aufwartete). 
Mit der Entwicklung der VR-Technologie erleben wir heute inzwischen in unserer Realität die Anfänge jener Technologie, die Franke der Erforschung des fernen Planeten zugrunde legt. Er verpasst es keineswegs, Gefahren dieser Technologie zu thematisieren. Um diese geht es zentral. Aus diesen zieht der Protagonist zum Schluss eindrücklich die Konsequenzen - nachdem er Zeuge dessen geworden war, was das Endstadium dieser Technologie für die ganze Population des Planeten, den er erkundet hatte, bedeutete: den «Orchideenkäfig».

Dieser Roman ist absolute Spitzenklasse, aktuell wie nie zuvor und damit wirklich sehr, sehr empfehlenswert (ungeachtet der Suchtgefahr)
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Copyright © Christian A. Natiez (Schweiz). Diese Rezension ist auf Goodreads.com veröffentlicht worden.