Mittwoch, 18. November 2015

Zürich: Die Stadtpolizei und das Filmen von Einsätzen

“Bei einem Einsatz wie am 21. Februar 2015 bewegen sich die Einsatzkräfte im öffentlichen Raum und es besteht zweifelsohne ein öffentliches Informationsinteresse, welches nicht nur durch die Medien, sondern auch durch Private wahrgenommen werden kann. Berichterstattungen und Aufnahmen sind daher grundsätzlich erlaubt und in einem Rechtsstaat von elementarer Bedeutung.”

(Rechtsdienst Stadtpolizei Zürich, Alexandra Rychen)

Am 21. Februar 2015 wurde ich beim Filmen einer Strassenszene von und mit Beamten der Stadtpolizei Zürich im Ordnungsdienst anlässlich des Fussball-Derbys GC-FCZ von zwei Zivilbeamten konfrontiert und am Filmen gehindert (siehe Bericht „Sie müssen da eigentlich nicht filmen, oder?“). Auf die Aufforderung, das Aufzeichnungsgerät auszuschalten, stieg ich jedoch nicht respektive anders als gewünscht ein.
Im Verlauf des Gesprächs traten die Beamten von ihrer Forderung, die Aufzeichnung einzustellen, zurück und begnügten sich schliesslich damit, ihr Unbehagen mitgeteilt und auf Gefahren aufmerksam gemacht zu haben. Zwischenzeitlich hatte sich die Szene, die ich ursprünglich filmte, allerdings aufgelöst. Die Beamten des Ordnungsdienstes hatten sich im Gänsemarsch entfernt, während einer der Zivilbeamten die Kameralinse mit seiner Hand abdeckte.

Darauf gelangte ich mit vier Fragen zu diesem Vorgehen je an die Medienstelle und an den Rechtsdienst der Stadtpolizei Zürich. Im Folgenden sind die Fragen vom 16. März 2015 und die Antworten der Chefin des Rechtsdienstes, Frau Rechtsanwältin lic. iur. Alexandra Rychen, vom 27. April mit bestem Dank und ohne Kommentar (ausser Hervorhebungen in Gelb und der Unterstreichung eines Abschnitts) wiedergegeben.

1. Frage (Verhältnismässigkeit):

Vertritt der Rechtsdienst der Stadtpolizei Zürich die Meinung, dass es für das Verhalten der zwei Zi­vilbeamten (der Stadtpolizei oder der Kantonspolizei) – namentlich die Aufforde­rung, das Aufnah­megerät auszuschalten, sowie insbesondere für den durch Abdecken der Kameralinse erzwungenen visuellen Aufzeichnungsstopp – einen rechtferti­genden Grund gab und das Vorgehen verhältnismäs­sig war? Wenn ja, welcher Grund recht­fertigte den Ein­griff und inwiefern wäre dieser verhältnis­mässig? 

Antwort:

Ausschlaggebend ist in diesem Zusammenhang, dass der zivile Polizist Sie lediglich gebeten hat, keine Filmaufnahmen zu machen. Dies steht dem Polizisten grundsätzlich frei. Es handelte sich nicht um eine verbindliche polizeiliche Anordnung, was für Sie aus dem weiteren Gesprächsverlauf erkennbar war.
Faktisch wurden Sie dennoch für einen kurzen Moment daran gehindert, Filmaufnahmen zu machen. Mit dem Abdecken der Kameralinse beabsichtigte der handelnde Polizist jedoch vorrangig, dass von ihm keine Porträtaufnahmen aus nächster Nähe gemacht werden. Dies ist aus persönlichkeitschutzrechtlichen Gründen durchaus legitim. Zudem ging es dem Polizisten erkennbar in keiner Weise darum, seine Identität nicht preiszugeben.

Eine Identifikation des Polizisten wurde Ihnen durch das Vorweisen des Dienstausweises ermöglicht. Der Polizist erkundigte sich denn auch, ob Sie die notwendigen Informationen erfasst haben.
Nachdem Sie verdeutlicht haben, dass Sie trotz der mittlerweile näher erläuterten Bitte der Polizisten weiterhin filmen möchten und Ihnen bestätigt wurde, dass dies grundsätzlich erlaubt sei, haben sich die Polizisten entfernt. Es stand Ihnen danach völlig frei, weitere Aufnahmen zu machen. Insgesamt wurden Sie also während weniger als einer Minute daran gehindert, ohne Einschränkung zu filmen. Das Vorgehen der Polizisten war korrekt und verhältnismässig.

2. Frage (Pressefreiheit):

Ist der Rechtsdienst der Stadtpolizei Zürich derselben Ansicht wie der Zivilbeamte auf der Auf­zeichnung, der das Filmen im konkreten vorliegenden Fall, in dem weit und breit keine Fussballfans sichtbar waren, als „Provokation der anderen Seite“ bezeichnete?
Wenn nein, vertritt der Rechtsdienst die Haltung, das Filmen hätte eine Provokation der anderen Seite dargestellt, wenn Fussball­fans in der Nähe gewesen wären? Wenn ja, was würde dies in der Meinung des Rechtsdienstes für die Berichterstattung über öffentliche Versammlungen im Sin­ne von Demonstrationen, Protesten, Mär­schen usw. konkret bedeuten, sowohl für friedliche als auch für öffentliche Zusammenrottungen i.S. von Art. 260 StGB?

Antwort:

Bei einem Einsatz wie am 21. Februar 2015 bewegen sich die Einsatzkräfte im öffentlichen Raum und es besteht zweifelsohne ein öffentliches Informationsinteresse, welches nicht nur durch die Medien, sondern auch durch Private wahrgenommen werden kann. Berichterstattungen und Aufnahmen sind daher grundsätzlich erlaubt und in einem Rechtsstaat von elementarer Bedeutung. In bestimmten Ausnahmefällen darf die Polizei diese Aufnahmen allerdings unterbinden (bspw. aus Pietätsgründen). Zudem hat die Polizei den Auftrag, die Sicherheit von Medienvertretern und Privaten zu gewährleisten. Im Einzelfall kann es anspruchsvoll sein, einerseits das Interesse der Öffentlichkeit an Information und andererseits die Sicherheit zu wahren.

Wie bereits erwähnt, war es den Polizistinnen anlässlich des Einsatzes vom 21. Februar 2015 nur bedingt möglich, abzuschätzen, wo und wann weitere Ausschreitungen erfolgen könnten. Es ist davon auszugehen, dass die handelnden Polizisten mit ihrem Vorgehen generell für eine „beruhigte” Gesamtlage sorgen wollten („keine Provokation“). Ob in der konkreten Situation eine Provokation denkbar bzw. absehbar war, kann anhand der Videoaufnahmen nicht beurteilt werden. An dieser Stelle soll jedoch betont werden, dass Ihnen zutreffend mitgeteilt wurde, dass Filmaufnahmen grundsätzlich erlaubt sind.

3. Frage (Willkür):

Wie beurteilt der Rechtsdienst der Stadtpolizei Zürich das zweite „Argument“ des Zivilbe­amten, „und Polizeibeamte finden es auch nicht so cool, wenn sie alle gefilmt werden“, als Grundlage für die Unterdrückung von Videozeichnungen?

Antwort:

Es gehört zu den alltäglichen Herausforderungen der Einsatzkräfte der Stadtpolizei Zürich, sich im Rahmen Ihrer Tätigkeit filmen zu lassen. Dabei müssen Sie aufgrund Ihrer Aufgaben in einem erhöhten Masse Eingriffe in Ihre Persönlichkeit dulden. Es ist verständlich, dass die Polizistinnen dies nicht immer angenehm finden. Auf diesen Umstand haben Sie die Polizisten aufmerksam gemacht, so dass Sie diesen Aspekt bei Ihrer Entscheidung, ob sie weiterhin filmen möchten, berücksichtigen können.

Letztlich von Bedeutung ist aber, dass es Ihnen weiterhin frei stand, Videoaufnahmen zu machen.

4. Frage (Dokumentation, Korpszugehörigkeit):

Als der Beamte auf Nachfrage seinen Polizeiausweis vorwies, begnügte ich mich in der Dunkelheit, die Aufschrift „Polizei“ neben einem Passfoto zu identifizieren. Ob es sich um einen Beamten der Kantons- oder der Stadtpolizei handelte, überprüfte ich jedoch nicht, ebenso wenig las ich den Namen vom Ausweis ab. Deshalb ist weder Identität der Beamten noch ihre Korpszugehörigkeit bekannt. Von Interesse wäre aber doch, ob es sich um Beamte der Stadt- oder der Kantonspolizei handelte. Bei korrekter Journalführung der Stadt- bzw. der Kantonspolizei müsste, meiner Vorstellung nach, für den 21. Februar ein Vermerk existieren, dass an der Badenerstrasse ein Mann mit Kamera angesprochen und am Filmen der Szene gehindert wurde. Ist es dem Rechtsdienst möglich, die Korpszugehörigkeit der Beamten aufgrund der Journale oder anhand des Videos zu eruieren und mitzuteilen?

Antwort:

Der handelnde Polizist hat sich bei Ihnen mittels Dienstausweis identifiziert und sich erkundigt, ob diese Information für Sie ausreicht. Aufgrund der Umstände haben wir natürlich Verständnis dafür, dass Sie sich nicht in erster Linie auf die Personalien des Polizisten konzentriert haben.
Ein Eintrag im Journal zu Ihrem Zusammentreffen gibt es bei der Stadtpolizei Zürich nicht. § 12 Abs. 1 des Polizeigesetzes (Dokumentationspflicht) verlangt eine der Situation angemessene und praxistaugliche Dokumentierung des polizeilichen Handelns. Die Polizei ist also nicht verpflichtet, jede Begegnung mit einem Bürger zu dokumentieren. Dies wäre schlicht nicht möglich. Gerade im Rahmen von Ereignissen wie am 21. Februar 2015, welche ein Grossaufgebot von Polizeikräften zur Folge haben, kann nicht jeder Kontakt eines/r Mitarbeitenden zu Bürgern im Detail festgehalten werden. Dies wäre weder zweckdienlich noch praktikabel. Somit bestand keine Pflicht, die Begegnung zwischen Ihnen und den Polizeikräften zu dokumentieren.

Ohne weitergehende zeitintensive Abklärungen können wir Ihnen nicht mitteilen, ob es sich um einen unserer Mitarbeiter handelte. Auf unsere Stellungnahme hat die Identifikation der Polizisten allerdings keinen unmittelbaren Einfluss. Daher bitten wir Sie um Verständnis dafür, dass wir keine aufwändigen Nachforschungen zur Identifikation der fraglichen Polizisten veranlassen.


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Samstag, 14. November 2015

Samstag, 7. November 2015

Demo: «Stacheldraht zu Altmetall»

Am Samstag, 7. November 2015, versammelten sich um 16:30 Uhr etwa 150 Personen an der Piazza Cella an der Langstrasse in Zürich, um gegen Stacheldraht, Mauern, Ausgrenzung, Rassismus, Hetze und für die Aufnahme von Flüchtlingen und Solidarität mit ihnen zu demonstrieren. Dazu aufgerufen hatte das «Revolutionäre Bündnis Zürich».

Der Umzug führte via Langstrasse, Helvetiaplatz, Stauffacher, Kasernenstrasse, Militärstrasse und Kanonengasse zurück zur Piazza Cella und war um zirka 17.30 Uhr beendet. Die Demonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle.

20151107 - Demo «Stacheldraht zu Altmetall»

Der Demonstrationszug gelangte von der Piazza Cella zunächst durch die Langstrasse zum Helvetiaplatz, wo schon ein Wasserwerfer der Stadtpolizei Zürich Präsenz markierte. An diesem vorbei ging es weiter zum Stauffacher. Dort legte die Demo vor der Kirche St. Jakob einen ersten Halt ein, um eine Rede zu hören: die Rednerin rief zu internationaler Solidarität auf und kritisierte unter anderem unhaltbare sanitarische Zustände in Flüchtlingsunterkünften in Dübendorf ZH.

Darauf bewegte sich der Umzug, antifaschistische Parolen skandierend, zur Sihlbrücke, auf der die Stadtpolizei Zürich den Zugang zur Innenstadt gesperrt hatte. Die Kundgebung pausierte vor der Brücke. Zu hören war ein weiterer Redner.
Danach ging es weiter zur Kreuzung Kasernen- und Militärstrasse. Dort folgte eine weitere Rede, wobei die Rednerin die Kundgebungsteilnehmer zudem vielsagend bat, die Demonstration nicht zu ruinieren: Es war zwar keine Unruhe unter den Anwesenden zu spüren, jedoch verläuft die massivste Gentrifizierung verkörpernde, neue Europaallee mit ihren unbezahlbaren Luxusappartements an der Lagerstrasse parallel zur Militärstrasse. Für die Demonstration konnte dadurch theoretisch die Gefahr eines unverhofften Themenwechsels bestehen. Die Stadtpolizei hatte die Passagen zur Lagerstrasse aber ohnehin auf der ganzen Länge der Militärstrasse abgeriegelt.

Der nächste Halt und die nächste Rede folgte an der Kreuzung Militärstrasse und Kanonengasse. Auch hier blockierten Polizeifahrzeuge und mit Gummischrot-Flinten ausgerüstete Beamte den Zugang zur Lagerstrasse und die Militärstrasse in Richtung Langstrasse. Anschliessend bewegte sich der Demonstrationszug durch Kanonengasse und Dienerstrasse zurück zum Ausgangspunkt, die Piazza Cella, und löste sich auf.



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Montag, 22. Juni 2015

Mobile: Warum Amazon zweite Wahl ist

Anfang des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende benutzte ich Amazon gelegentlich zum Erwerb von Büchern. Sie waren günstiger als in der lokalen Buchhandlung, und in der Ausbildung zählt jeder Cent. Später entschied ich aber, Amazon links liegen zu lassen (stattdessen bediente ich mich der Zürcher Buchhandlung Buchundton.ch, deren eigener Webshop inzwischen aber eingestellt ist und an eine andere Online-Buchhandlung verweist).

Meinem Entscheid lag ein ganz übler Schachzug von Amazon im Kampf um Marktanteile bei eBooks zugrunde:

Seit der Jahrtausendwende benutzte ich Mobipocket.com, ein eBook reader und Online-Store. Ich besorge vor allem Fremdsprachen-Wörterbücher. Sie waren DRM geschützt und liessen sich auf vier Geräten gleichzeitig installierten, zum Beispiel auf dem PC, dem Laptop und einem PocketPC oder einem Symbian Mobiltelefon.
Eines Tages machte die Kunde die Runde, dass Amazon Mobipocket.com gekauft hat. Freude herrschte, denn damit, so dachte ich, würde das eBook-Angebot von Mobipocket.com mit jenem von Amazon zusammen gelegt und meine Bibliothek von bei Mobipocket.com gekauften eBooks dereinst wahrscheinlich in mein Amazon-Konto integriert. Weit gefehlt. Bei Amazon waren keine Entwickler am Werk sondern Manager.
Mobipocket.com lief noch einige Zeit lang normal weiter nach der Akquisition durch Amazon, als ob nichts wäre. Je länger aber nichts mehr geschah, je länger keine Updates des Mobipocket-Readers mehr erschienen, je länger auch keine Mitteilungen über Auswirkungen der Übernahme durch Amazon, desto klarer manifestierte sich der Verdacht, dass Amazon mit dem Kauf von Mobipocket.com, das damals im Bereich der eBooks absolut führend war und selbst für Amazon damals eine bedrohliche Konkurrenz darstellte, nicht so sehr die Übernahme des Mobipocket-Onlinestores und der bestehenden Mobipocket-Kunden angestrebt haben dürfte sondern eher einfach unliebsame Konkurrenz ausschalten wollte, um die Bahn für den eigenen eBook-Webstore und den eigenen Reader, heute bekannt unter dem Namen "Kindle", frei zu machen...

Konkret tat sich bei Mobipocket.com nach der Übernahme durch Amazon einfach nichts mehr. Die Website wurde belassen, wie sie zum Zeitpunkt der Übergabe war und, wie bereits gesagt, auf Versionen des Readers für Android und iPhone wartete man vergeblich. Auch darauf, dass die bestehende Bibliothek von bezahlten Mobipocket-eBooks via Amazon Kindle auf Android und iPhone nutzbar würde, wartete man vergeblich.

Nochmals: wozu hat Amazon Mobipocket.com übernommen, wenn Mobipocket.com darauf nicht mehr weiter entwickelt wurde? Offenbar nicht, um die bestehenden Mobipocket-Infrastruktur und -Kunden zu übernehmen, sondern um die Mobipocket-Infrastruktur als unliebsame Konkurrenz kalt zu stellen. Dass die bestehenden Mobipocket-Kunden im Regen stehen gelassen wurden ohne Versionen des Mobipocket-Readers für Android und iPhone und auch ohne Zugang zu ihrer Mobipocket-Bibliothek via Amazon, scheint vor allem ein auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtetes Kalkül des Amazon-Managements gewesen sein. Als Amazon dann vor einigen Jahren wegen problematischen Arbeitsbedingungen im Versand, aber auch wegen vereinnahmender Tendenzen als Verleger in die Medien geriet und darob harte Kritik und selbst Kundenabgänge hinnehmen musste, sah ich mich einfach an die schon bei der Übernahme von Mobipocket.com festgestellte "Kundenorientierung" erinnert. Aber auf die miserablen Arbeitsbedingungen von Amazon konnte ich nicht mehr mit einem Boykott reagieren, denn diese Firma war bei mir nach dem Mobipocket-Debakel schon lange abgeschrieben.

Bei der jüngsten persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema eBooks und eReader war ich natürlich wieder mit Amazon und Kindle konfrontiert: ein geschlossenes Ökosystem mit entsprechend enger Kundenbindung. Aber es gibt Alternativen, und Gottseidank habe ich bisher keinen Cent für eBooks von Amazon ausgegeben, denn so wäre ich auf eReader von Amazon  oder die Kindle-App anweisen, und was solche Abhängigkeiten für Gefahren in sich bergen, wenn der Anbieter von heute auf morgen den Betrieb einstellt, hat Amazon selbst bewiesen, als Mobipocket.com nach der Übernahme einfach kalt gestellt und die bestehenden Kunden im Regen stehen gelassen wurden.
Es liegt also nahe, nach einer Alternative Ausschau zu halten. Gelegen kam Google Play Books. Ebook von Google kann man mit der Reader-App von Google oder ganz einfach mit jedem Webbrowser lesen. Alternativ lassen sie sich aber auch DRM-geschützt im epub-Format herunterladen und mit jedem mit Adobe DRM arbeitenden eReader oder einer entsprechenden App lesen, womit einem eine große Auswahl an Apps und eReadern zur Verfügung steht. Mit solchen ist auch gewährleistet, dass man aus jeder Quelle, die mit Adobe DRM arbeitet, eBooks beziehen und sie mit dem eReader lesen kann statt wie bei den Kindle-eReadern nur von einem einzigen Quasi-Monopolisten. Selbst von Bibliotheken können eBooks inzwischen ausgeliehen werden, wenn der verwendete Reader mit Adobe DRM arbeitet. Was für ein Geschenk!

Montag, 4. Mai 2015

Ruhige 1.-Mai-Nachdemo am Helvetiaplatz

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Am Nachmittag des 1. Mai fand auf dem Helvetiaplatz in Zürich ab 15 bis zirka 16 Uhr eine bunte, friedliche Kundgebung in Anschluss an das offizielle Programm der Gewerkschaften und des 1.-Mai-Komitees statt.

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Nachdem sie sich aufgelöst hatte (den genauen Hergang der Auflösung hatte ich infolge Abwesenheit leider verpasst), befanden sich offensichtlich einige Vermummte vor dem am Helvetiaplatz gelegenen Kanzlei-Areal.

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Diese lieferten von dort den am Helvetiaplatz präsenten Polizeibeamten mitunter Provokationen.

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Zivilfahnder der Polizei nahmen am und um den Helvetiaplatz denn auch immer wieder Festnahmen (von i.d.R. unvermummten Jugendlichen und jungen Erwachsenen) vor.

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Wie auf einigen auf Flickr publizierten Fotos gut zu sehen ist (z.B. https://flic.kr/p/s9aNyC von Claude Schildknecht), entzogen sich Vermummte wie Unvermummte mit teils spektakulären Sprints den Beamten in letzter Sekunde.

Auch hatte ein Chaot mit einer Bengal-Fackel, die ihm eine Frau zu entreissen versuchte, seinen Auftritt.

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Brenzlig...

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Schliesslich flog die Fackel in Richtung Polizeibeamte auf dem Helvetiaplatz.

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Die vermummten Chaoten unter den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern auf dem Kanzlei-Areal liessen sich aber an einer Hand abzählen. Anderweitig blieb es ruhig, abgesehen von einem kurzen "Ausbruchsversuch" von rund 50  Autonomen, die unter dem Motto "Demo jetzt!" vom Kanzlei aus einen Demonstrationsumzug in Fahrt bringen wollten.

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Aber sie kamen nicht weit, denn die Polizei riegelte den Platz flugs in alle Richtungen ab.

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So blieb ihnen nichts als der Rückzug aufs Kanzlei-Areal.

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Darauf setzte zudem Regen ein, und die Polizei zog wieder ab, aber der Abend verlief ruhig.

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Fotos von der Nachdemo:
https://www.flickr.com//photos/natiez/sets/72157649978754443/show/
Fotos vom Chaotenauftritt:
https://www.flickr.com/photos/natiez/sets/72157652308918475/show
Fotos vom offiziellen Umzug:
https://www.flickr.com/photos/natiez/sets/72157652298367195/show



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Sonntag, 19. April 2015

Demonstration gegen TiSA am Paradeplatz Zürich

Demonstration gegen TiSA, Paradeplatz Zürich

Am Samstag, 18. April 2015, fand am Paradeplatz in Zürich ab 14 Uhr eine Kundgebung statt gegen das Trade in Services Agreement (TiSA), ein unter Geheimhaltung entstehendes, umstrittenes Freihandelsabkommen der USA.

Die Versammlung auf der Traminsel Paradeplatz zählte zu Beginn rund 50 Personen. Die Polizei war mit gut 10 um den Platz herum parkierten Einsatzfahrzeugen und zahlreichen uniformierten und zivilen Beamten präsent. Zu Beginn der Kundgebung nahm sie vereinzelt Personenkontrollen vor. Eine Person wurde verhaftet und weggebracht. Die Aktivisten skandierten darauf Parolen unter anderem auch gegen Überwachung und Polizei. Nach einiger Zeit zogen sich die Polizeibeamten von der Traminsel in die Peripherie des Paradeplatzes zurück.
Die Menschenmenge auf der Insel schwoll mit der Zeit etwa auf das Doppelte an, Interessierte mischten sich unter die Aktivisten, Flugblätter wurden verteilt, es wurde diskutiert, Transparente wurden gezeigt. Nach 15 Uhr intervenierte die Polizei einmal kurz. Sie positionierte rund 20 Ordnungsdienstbeamte auf Tramgeleisen und versperrte den Weg in die nördliche Bahnhofstrasse. Doch die Kundgebung blieb friedlich. Blockiert war während dieses kurzen Polizeiaufmarschs der Tramverkehr in und aus Richtung Hauptbahnhof. 

Zur Kundgebung aufgerufen hatten linke Parteien, so die Partei der Arbeit (PdA) und die Alternative Liste (AL), die auch den stadtzürcher Polizeivorsteher stellt und im Zürcher Kantonsparlament Fraktionsstärke erreicht. Die Sozialdemokratische Partei (SP) und ihre Jugendorganisation (Juso) hingegen schienen den Anlass verschlafen zu haben, hatten sie ihn doch auf keiner ihrer Websites angekündigt. An ihrer Stelle hatten aber diverse ausserparlamentarische Linksorganisationen die Kunde von der Demo verbreitet, etwa der Revolutionäre Aufbau Schweiz und das Revolutionäre Bündnis der Region Zürich, das auch ein dediziertes Anti-TiSA-Blog betreibt.



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Samstag, 11. April 2015

Frisch gestrichen

Frisch gestrichen

Honi soit qui mal y pense

Samstag Nachmittag, 11. April 2015, Zürich Kreis 4, wieder einmal Sirenen. Nicht dass sie noch auffielen. Aber wenn das Sirenengeheul nicht mehr hören will, ein Einsatzfahrzeug auf das nächste folgt... Ein Schelm, wer Böses denkt.

Drei Stichwörter füttere ich Google:

  • Demo
  • 11.4.
  • Zürich

Und siehe da, Google wird fündig - auf der Website des “Revolutionären Bündnisses”, revmob.ch, verheißt der aktuellste Beitrag unter dem Titel ”Wiederbelebung der Kaserne - jetzt!”:

“Seit ein paar Wochen sind die Wände des Kasernenareals im Kreis 4 in Zürich leer. Die Putztrupps der Stadt Zürich haben dabei nicht nur unter grosser Mühe Farbe entfernt, sondern auch ein Stück linke Politkultur ausradiert. Bilder und Sprüche, welche über Jahre im Kreis 4 und in den Köpfen der BewohnerInnen und weit darüber hinaus präsent waren, sind nun weg. Zeugnisse unserer revolutionären Geschichte sollten damit der Vergangenheit zugeführt werden.” (revmob.ch)

Ich erinnerte mich sofort an ein Ereignis ebenda, vor einigen Jahren, das anlässlich des 100. Frauenkampftages einige Belustigung in mir hervor rief. Die Wände der alten Kaserne waren tatsächlich wahre Galerien politischer und unpolitischer Graffiti.

Der Artikel des Revolutionären Bündnisses führt folgende Interpretation der Fassadenpflege auf dem Kasernenareal aus:

“Es ist klar, dass die Säuberung des Areals im Zusammenhang mit den Bemühungen der Stadt Zürich steht, das Langstrassenquartier näher an den noblen Kreis 1 heranzuführen. Die Europaallee als Verbindungsbrücke zwischen 1 und 4 reicht dabei alleine noch nicht aus. Nicht nur die Lagerstrasse muss schön hergerichtet werden, sondern auch das Kasernenareal gehört in den Augen der Stadt, als (noch) unbebautes Areal und zugleich Treffpunkt für viele, schleunigst geputzt. Was dahinter steht, sind die Interessen von Kapital und Profit. Die Stadt gehört offenbar nicht denjenigen, die sie bewohnen, sondern denjenigen, die sie vermarkten.” (revmob.ch)

Darauf folgt der relevante Hinweis auf den Anlass des Tages:

“Ob am 1. Mai, am 11.4. oder an allen anderen Tagen: Nehmen wir uns den Raum, der uns gehört! Mach mit beim öffentlichen Transpimalen für den 1. Mai und für die laufende TISA-Kampagne! Samstag 11.4. 14:00, Kasernenareal, Zürich” (revmob.ch)

Ein Schelm, wer Böses denkt... Und doch mache ich mich auf in Richtung alte Kaserne.

Mehrere Einsatzfahrzeuge in der Kanonengasse. Beamte mit blauen Latex-Untersuchungshandschuhen in Hinterhöfen der Kanonengasse und ausländische Frauen, die lugen. Es sieht nach einer Razzia im Milieu aus. Nichts Ungewöhnliches für das Langstrassenquartier. Dann wird das heitere Transpimalen auf dem Kasernenareal wohl noch putzmunter und unbehelligt vor sich gehen, denke ich und mache mich (trotzdem) auf, einen Blick darauf zu erhaschen.

Polizei. Einsatzfahrzeuge und Beamte verteilt im Zeughaushof.

Polizeieinsatz im Zeughaushof der alten Kaserne Zürich

Ein Dreiergrüppchen auf dem Weg zu einem Fahrzeug, in einer Hand eine Gummischrotflinte. “Häuser besetzen, Bonzen schletzen!” titelt die erste Fassade.

Frisch gestrichen

Etwas weiter vorn ein Zelt. Sieht nach einem Partyzelt aus, in dem es Getränke gab.

Frisch gestrichen

Am Boden eine Handvoll Plasticflaschen mit Wasserfarben...

Frisch gestrichen

Auch mit Farbe gefüllte Blechdosen und Pinsel stehen auf dem Boden. An die Fassade ist eine Leiter angelehnt.

Frisch gestrichen

Der Künstler war anscheinend gerade “auf dem Sprung”, als die Polizei erschien. Denn “PE” dürfte kaum als englisches Kürzel für “physical education” (Turnunterricht) stehen und ein revolutionäres Trainingsprogramm propagieren. Obwohl dies sicherlich empfehlenswert wäre. Oder doch?

Doch keine Spur von Menschen des “Revolutionären Bündnisses”, die als Vorbereitung auf den 1. Mai ein öffentliches Transpimalen veranstalteten. Sie dürften beim Erklingen der Sirenen das Weite gesucht haben, wenn sie die Veranstaltung nicht schon vorher verlassen haben, als Personen Anstalten zur gestalterischen “Fassadenpflege” machten.

Im Folgenden war nur mehr zu beobachten, wie Polizeibeamte die Hinterlassenschaft an den Fassaden der alten Kaserne und auf Straße und Wiese im Zeughaushof begutachteten.

Frisch gestrichen

Polizeieinsatz im Zeughaushof der alten Kaserne Zürich

Frisch gestrichen

Polizeieinsatz im Zeughaushof der alten Kaserne Zürich

Es ist anzunehmen, dass die Stadtpolizei Zürich Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung einreichen und die Staatsanwaltschaft eine entsprechende Untersuchung eröffnen wird.

“Stop Tisa!” - hängen geblieben ist nebst den Parolen an der Kasernenfassade der Beitrag auf der Website des Revolutionären Bündnisses unmittelbar vor dem Beitrag über die Wiederbelebung der Kaserne. Demnach sei der 18. April “internationaler Aktionstag gegen Tisa”. Bekannt gegeben wird dazu, dass am 18. April, in einer Woche also, am Paradeplatz in Zürich um 14 Uhr eine Kundgebung gegen TiSA stattfinde.

Ein Schelm, wer sich Böses denkt...



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Donnerstag, 2. April 2015

Update auf Lollipop nicht serienreif

Für wen lohnt sich ein Update von Android 4.4 (KitKat) auf Android 5.0 (Lollipop)?

Mit Android 5.0 gibt es einige Änderung des Designs, des Erscheinungsbildes der graphischen Android-Benutzeroberfläche. Auch "unter der Haube" habe sich viel getan. So braucht Android 5.0 rund 1GB mehr Platz auf dem internen Gerätespeicher.

Ohne lange Umschweife: das Update erwies sich auf meinem Samsung S5 (SM-G900F) mit 32GB Speicher und 668 installierten Apps schlicht und ergreifend als Katastrophe. Hände weg. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.


App Updates werden zur Höllenqual

Seit dem Update vor einer Woche versuchte das Gerät noch rund 200 Apps aus dem Google Play Store zu updaten. Es ist praktisch non-stop daran. Aber es hat in einer Woche gerade mal die Hälfte erfolgreich geupdated. Bei vielen Apps stockte der Download des Updates zunächst und setzte dann ganz aus, d. h. Es wird "waiting for Network" bei den Downloadinfos angezeigt. Und das bedeutet früher oder später einen manuellen Abbruch. Ausnahmslos. Das Phänomen zeigt sich bei Wifi- und 4G-Verbindungen gleichermassen.
Fazit: Seit dem Update auf Android 5 ist das Updaten der Apps zum Alptraum geworden, schlicht und ergreifend eine Zumutung.


Warum einfach, wenn es kompliziert geht?
 
Das Gerät lässt sich nicht mehr unkompliziert mit dem entsprechenden Button im Notifikationsmenu stummschalten. Es gibt nicht mehr die drei Modi Ton, Vibration und Stumm zur Auswahl. Es gibt nur noch Ton oder Vibration zur Wahl.
Man kann das Gerät natürlich immer noch komplett stumm schalten, aber dabei werden auch alle Alarme ausgeschaltet, zum Beispiel der Wecker am Morgen. Benötigt man diese, müssen die übrigen Benachrichtigungen durch Ton oder Vibration erfolgen. Werden Benachrichtigungen komplett abgeschaltet, gibt es keine schriftliche Mitteilung mehr im Benachrichtigungsbalken. Für Benutzer von Smartwatches heisst das, dass die entsprechenden Benachrichtigungen auch nicht mehr an die Uhr übermittelt werden. Bis anhin konnte man das Handy stummschalten, aber Benachrichtigungen trotzdem auf der Smartwatch anzeigen lassen. Ab Android 5 muss man dazu relativ umständlich in den Android Wear Einstellungen das Handy bei Verbindung mit der Uhr stummschalten. Man kann dies nicht mehr unkompliziert mit dem Lautsprecherbutton des Benachrichtigungsmenus bewerkstelligen.
Wer sich die Benachrichtigungen bisher zudem vorlesen liess, zum Beispiel mit der eCID App, kann die Benachrichtigungen auch nicht komplett ausschalten, wenn sie weiterhin akkustisch gemeldet werden sollen. Wer Vibration und Ton des Handys also nicht dadurch ausschalten kann, dass eine Smartwatch verbunden und das Handy in den Android Wear Einstellungen auf Stumm geschaltet wird bei Verbindung mit der Uhr, hat nur die Wahl zwischen akkustischen Benachrichtigungen oder Vibration des Handys - wer es sich gewohnt war, sich bei ansonsten stumm geschalteten Handy Benachrichtigungen durch Text-to-speech Apps wie eCID vorlesen zu lassen, hat das Nachsehen.
Nicht zu reden von der ganzen Gewöhnungsbedürftigkeit der Umstellung.


Crashende Apps...

Diverse Apps crashen seit dem Umdate regelmässig, darunter auch Android eigene Apps wie das Kontaktverzeichnis. Feedly crashte schon auf Android 4.4 regelmässig, Android 5 bringt keine Verbesserung. Kindle von Amazon stürzt neuerdings laufend ab, ebenso die Amazon app. Sie mussten deinstalliert werden. Möglicherweise würde ein Update dieser Apps den Crashes Abhilfe schaffen, aber dazu müsste ein rasches Updaten möglich sein, was leider nicht ist, siehe oben. Für die App "Google Play Services", die als Teil des Betriebssystems vorinstalliert ist, ist eine Deinstallation nicht möglich. Zu akzeptieren ist deshalb bis auf Weiteres auch das ständige Crashen dieses Dienstes.
 
... und bald auch Out of Memory

Android 5 frisst 1GB mehr internen SD-Speicher. Apps benötigen ebenfalls mehr Platz. Waren vorher noch rund 4GB frei, sind es jetzt noch rund 500MB... Und wie gesagt, rund 100 Apps warten noch auf ihr Update...
Eine Beschleunigung des Gerätes ist nicht effektiv festzustellen. Dank Animationen erhält man jetzt sofort visuelles Feedback, wenn man Buttons antippt, wodurch suvjektiv vielleicht der Eindruck schnellerer Reaktion entsteht, aber im Endeffekt ist keine schnellere Reaktion von Buttons festzustellen.

Last not least ist die Smartwatch immer wieder mal offline seit dem Update (Symbol der durchgestrichenen Wolke). Auch wenn sie neben dem Handy liegt.

Fazit:
Das S5 ist ein gutes Handy, auf dem Android 4.4 gut und zuverlässig läuft (lief). Android 5.0 ist ganz offensichtlich noch nicht serienreif. Aber das S5 ist auch unabhängig davon mit Android 4.4 besser eingestellt.
Ich bedaure sehr, mich zu diesem Update hinreissen lassen zu haben. Diese Erfahrung wird meine Update-Policy sicher nachhaltig ändern. Es ist aber nicht das erste Mal, dass wir mit Updates üble "Verschlimmbesserungen" erhalten. Nur von Google hätte ich das nicht erwartet.


Copyright © Christian A. Natiez (Schweiz)

Sonntag, 22. Februar 2015

«Sie müssen da eigentlich nicht filmen, oder?» (@StadtpolizeiZH)

 

Randale und ein unverhofftes Interview

Zürich, 21. Februar 2015, Samstagabend: die Polizei ist mit Sirenengeheul unterwegs. Schon im Tram hatte eine Durchsage verkündet, «wegen Fußballfans in der Badenerstrasse» werde es am Albisriederplatz umgeleitet.

Ganz in der Nähe des Albisriederplatzes – bei einem dort wohnhaften Bekannten arbeiteten wir an einer Fotoreportage – waren natürlich die ewigen Sirenen der regelmäßig in Richtung Albisriederplatz fahrenden Polizeifahrzeuge nicht zu überhören. Die Häufigkeit warf die schlichte Frage auf, was denn da los ist.
Die Tramdurchsage hatte es bereits angetönt: Fußballfans in der Badenerstrasse. Möglicherweise ließen sich ein paar fetzige, farbenfrohe Videoclips aufnehmen? Den Fotoapparat hatte ich leider nicht dabei, und der Bekannte mochte wegen Müdigkeit nicht mit auf die Straße raus. Doch mein Handyrecorder würde dienen.

Am Albisriederplatz blockierte ein Kordon aus schwarz gekleideten, mit Helmen, Schilden, Körperschutz und teils mit Gummischrotgewehren ausgerüsteten Polizisten den Zugang zur nordwestwärts führenden Badenerstrasse. Hinter ihnen qualmte irgend ein Objekt auf der Straße, daneben stand ein Einsatzfahrzeug von «Schutz & Rettung» (Feuerwehr). In der Dunkelheit und an den Polizeibeamten vorbei war nicht auszumachen, worum es sich beim brennenden Gegenstand handelte. Dahinter waren mehrere Polizeiautos parkiert. Am Kordon vorbei in die Badenerstrasse zu gelangen, schien aussichtslos.

Als weitere drei Einsatzfahrzeuge der Polizei den Albisriederplatz erreichten, johlte eine Menschenmenge am östlichen Ende des Platzes, Pfiffe waren zu hören. Auch auf der Traminsel johlten zwei, drei Männer. Die Minibusse querten den Platz, bogen in die Albisriederstrasse ein und verschwanden westwärts in der Dunkelheit.
 
Warum war die Badenerstrasse von der Polizei abgeriegelt worden? Um dies aufzuklären, war sich erst Zugang zu ihr zu verschaffen, und zwar möglichst an der Polizei vorbei, denn Beamte würden, das war unschwer zu erkennen, keine Personen mehr in die von ihnen gesperrte Straße hinein lassen.
Nach einer kurzen Orientierungspause fand ich einen unbewachten Zugang. Ich wartete sogar einen Augenblick ab, um zu beobachten, ob zwei weitere Passanten, die über diesen Zugang in die Badenerstrasse gelangten, von der Polizei angehalten würden. Da sie unbehelligt blieben, rückte ich schließlich auch auf diesem Weg vor.

Ich fand mich unmittelbar vor einem Zug Polizisten in Ordnungsdienstmontur wieder (siehe Video), die sich offenbar vorbereiteten, angrenzende Wohngebiete zu Fuß zu durchkämmen und dabei insbesondere nach Vermummten Ausschau zu halten, wie eine Aussage des Anführers vermuten ließ («...außer wir treffen auf Vermummte», 0:16 – 0:20 im Video). Jedenfalls fand ich, dass dieser Trupp in Vollmontur (wieder mal) ein fotogenes Bombensujet her gibt: sehr zu bedauern, dass der Fotoapparat zuhause war. Die Handycam musste genügen.

Leider war es nicht möglich, diesen Trupp, der schließlich als Einer- oder Zweierreihe losmarschierte, aus der Nähe zu filmen, als er an mir vorbei ins angrenzende Wohnquartier stiefelte. Denn ich wurde derweil von Zivilbeamten der Stadtpolizei oder der Kantonspolizei Zürich am Filmen gehindert, einmal mehr.
Dafür kam ich unverhofft zu einer Art «Exklusivinterview» mit einem anonymen Polizisten. Dieser legte seine persönliche Sicht der Dinge bezüglich Filmen und Fotografieren von Polizeibeamten dar und sprach, nicht ganz uninteressant, auch gleich für die Randalierer:
Während ich die Kamera auf den Polizei-Trupp gerichtet hatte, sagte plötzlich jemand zu meiner Rechten: «Sie müssen da eigentlich nicht filmen, oder?»
Zwei Zivilbeamte traten unversehens von der Seite an mich heran und blockierten die Sicht auf die Gruppe, die sich jeden Moment in Bewegung setzen würde. «Schalten Sie aus», forderte der Zivilbeamte.
«Schalten Sie bitte aus», wiederholte er, als ich ihn lediglich irritiert ansah. Dann schob er nach: «Es bringt nichts, wenn Sie hier filmen.»
Darauf reagierte ich: «Was genau wollen Sie? Wer sind Sie?»
«Schalten Sie einfach die Kamera aus», meinte er.
Ohne auf seine Forderung einzugehen, wiederholte ich meine Frage: «Wer sind Sie??»
«Von der Polizei», lautete diesmal seine Antwort.
Ich: «Haben Sie einen Ausweis?»
Der Beamte zückte seinen Polizeiausweis aus dem Portemonnaie, hielt ihn mir unter die Nase und sagte: «Ja, voilà.»
Ich: «Danke.»
Beamter: «Ist gut? Jetzt die Kamera ausschalten, bitte.»
Ich: «Aufgrund von welcher...»
Spontan wollte ich fragen, aufgrund von welcher «Verfügung» die Kamera auszuschalten sei, bemerkte aber gerade noch rechtzeitig, dass der Begriff der «Verfügung» an dieser Stelle unpassend wäre und suchte nach einer treffenderen Formulierung, wobei der Beamte aber zuvor kam.
Beamter: «Es bringt einfach nichts im Moment. Dann provozieren Sie die andere Seite, die nicht gefilmt werden will. Und Polizeibeamte finden es auch nicht so cool, wenn sie alle gefilmt werden.»*
Ich: «Also, so viel ich weiß, hat Herr Cortesi... dies klar definiert?»**
Beamter: «Dass man filmen darf?»
Ich: «Ja.»
Beamter: «Ja, das dürfen Sie grundsätzlich schon. Aber es bringt einfach niemandem etwas.»
Inzwischen setzte sich die Polizisten-Gruppe, die ich zuvor gefilmt hatte, in Richtung Brahmshof in Bewegung. Als ich ihnen die Kamera folgen ließ, hielt der Beamte seine Hand wieder auf die Linse. Da diesmal auch die Mikrofone zugedeckt wurden, hört man auf der Aufzeichnung nicht, dass ich in diesem Moment zu ihm sagte: «Schauen Sie, ich kenne das Gesetz.»
Darauf schickten sich auch diese beiden Zivilbeamten zu gehen an. Der zweite sagte dabei: «Sie müssen sich einfach nicht wundern, wenn man [gemeint ist wohl die Polizei] es [das Aufzeichnungsgerät] Ihnen wegnimmt!»
Ich: «Ja, dann können Sie es ja der Staatsanwaltschaft schicken.»
Zweiter Beamter: «Dann ist gut, dann haben sie [gemeint ist wahrscheinlich die Staatsanwaltschaft] vielleicht ja noch Bilder drauf, auf denen man etwas sieht [wahrscheinlich ist die Identifikation von des Landfriedensbruchs verdächtiger Personen aufgrund des Bildmaterials gemeint]
Ich: «Genau.»
Zweiter Beamter: «Adé.»
Ich: «Auf Wiedersehen.»
Die Beamten gingen weiter. Am Standort, an dem ich mich während der Filmaufnahme und dem Gespräch aufgehalten hatte, waren darauf Polizisten zu beobachten, die ein Plastikband der Marke «Polizeisperre» quer über die Straße spannten. Ansonsten bewegte sich wenig. Somit hielt ich das dem Bekannten zuvor abgegebene Versprechen ein, innert einer halben Stunde zurück zu sein.

* Beachte: Die Videoaufnahme fand inmitten des von der Polizei eingenommenen Bereichs der Badenerstrasse statt, unweit ihres mitten auf der Strasse abgestellten und gut bewachten Wagenparks, wie auf der Aufnahme zu sehen ist - von der ominösen «anderen Seite», auf die der Beamte verwies, gab es dort nicht die geringste Spur. Der Hinweis entpuppt sich als substanzlos.
** Marco Cortesi ist Medienverantwortlicher der Stadtpolizei Zürich.

Nachtrag: Beachte auch die in dieser Angelegenheit am 16. März 2015 dem Rechtsdienst der Stadtpolizei Zürich gestellten Fragen und dessen Antworten vom 21. April.
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Montag, 16. Februar 2015

Besuch im Talent Café

Besuch im Talentcafé

Seit zwei Jahren findet im jenseits IM VIADUKT in Zürich unter dem Motto «reparieren – selber machen – teilen» regelmäßig einmal im Monat an einem Samstag von 15 bis 18 Uhr das Talent Café statt. Rund 25 bis 30 Personen brachten am Samstag, 7. Februar 2015, defekte Geräte und Gegenstände zur Reparatur oder besuchten den Zeichenworkshop.

Wer an diesem Samstag das jenseits IM VIADUKT betrat, sah sich in eine große Werkstatt mit Bar versetzt: rechts vom Eingang wachsten zwei Männerhände gerade ein Snowboard frisch, links saßen zwei Frauen in der Coaching-Ecke auf Sofas und lasen zusammen psychologische Fachliteratur, geradeaus wartete auf dem Nähtisch eine Nähmaschine auf Kleidungsstücke, Taschen und andere Stoffprodukte, auf dem anschließenden Tisch unterzog ein Elektronikfachmann den Laptop eines Mannes einigen Tests und ein zweiter Elektroniker öffnete einen alten Plattenspieler, während vis-à-vis zwei Frauen Specksteine bearbeiteten und ganz hinten, im Licht der Fenster, Frauen und Männer im Zeichenworkshop auf große Papierbogen mit Bleistift Stillleben zeichneten – eine Flasche Wein mit einem Glas.
Einen warmen Empfang bereitete zudem die Bar: Laut Karte bietet sie nebst Bier und Wein auch Mineralwasser, Tee, Kaffee, der mit einem Stück Schokolade serviert wird, und Kuchen – Gebäck fand sich aber auch auf den Werkstatttischen und wurde regelmäßig nachgeliefert.

Besuch im Talentcafé

Zur Absicht hinter dem Talent Café sagte die Organisatorin, Sylvia Sperka: «Das Talent Café ist eine Plattform für die Kultur, dass man Dinge reparieren kann, alten Dingen wieder Leben einhaucht, und sie soll Möglichkeit bieten, das machen zu können. Weshalb eine Kaffeemaschine entsorgen, wenn nur ein Wackelkontakt ist, aber man nicht ran kommt, weil man sie nicht öffnen kann? Da braucht es Fachleute, die wissen wie.»
Ist das Talent Café ein klassisches Repaircafé? Sylvia Sperka sagt: «Die Dachorganisation Repaircafé ist ursprünglich in Holland entstanden und Repaircafés gibt es überall. Unser Projekt ist eigentlich aus dieser Idee heraus entstanden, aber wir haben uns im Gegensatz zu diesen Repaircafés, wo es nur ums Reparieren geht, dazu entschieden, dass wir noch diese Wissensworkshops machen, das macht es irgendwie noch lebendiger.» Workshops werden von Freiwilligen geleitet, die dabei Wissen aus ihrem Beruf oder Hobby vermitteln.

Fast 90% der defekten Geräte, die Jürg Sixdorf, Experte für Elektrogeräte, in den vergangenen zwei Jahren im Talent Café begutachtet hat, hätten sich reparieren lassen, sagte er. «Man kann mehr reparieren als man meint, aber Sinn macht es nur bei rund der Hälfte der Geräte vom Aufwand und den Kosten her», schränkte er ein. An diesem Samstag zauberte er einem Jungen ein Riesenlächeln auf das Gesicht, als er dessen großen Spielzeugelefanten wieder zum Leben erweckte. Sieben kaputte Geräte hatten er und sein Kollege an diesem Nachmittag auf dem Labortisch, auf dem allerlei Messgeräte und Werkzeuge aus dem Elektroniklabor stehen.
Was für Gerätetypen werden ins Talent Café gebracht? «Computer, Natel, Smartphones, Spielzeugsachen, akkubetriebene Sachen, Kopfhörer, Walkman, Discman», zählt Jürg Sixdorf auf, verweist Smartphones aber an den «iPhone-Doktor», weil ihre Reparatur spezielle Arbeitsplätze, Beleuchtung und Werkzeuge erfordert. Als Defekte, die er im Talent Café repariert, nennt er: «Ausgelaufene Batterien, abgerissene Kabel, klemmende Schalter, fehlende Schalter, fehlende Kontakte, fehlende Batterien, kunterbunt, die ganze Palette.»

Besuch im Talentcafé

Reparaturen sind kostenlos. Das Talent Café finanziert sich durch freiwillige Beiträge: dazu war ein Strohhut mit der Aufschrift «Kollekte» aufgestellt worden. Den Raum stellt das jenseits IM VIADUKT zur Verfügung und betreibt die Bar. Diese sorgt auch für Gebäck auf den Werktischen. Das jenseits, das sich als offenes Wohnzimmer und als Arbeitsort für Studenten und junge Leute anbietet, entspricht einem kleinen Gemeinschaftszentrum. Nadine Bozzolo, zuständig für Organisation und Kommunikation des jenseits, illustriert: «Tagsüber ist es hier eher ruhig, die Leute können studieren und Kaffee trinken. 11 bis 18 Uhr ist geöffnet. Du musst hier nichts konsumieren, du kannst auch einfach selber etwas mitbringen. Im Sommer ist es sehr schön, die Wiese ist voll mit Leuten und sehr friedlich.»
Dank der im Talent Café zwar völlig unbemerkbaren kirchlichen Trägerschaft des jenseits, die Katholische Kirche im Kanton Zürich, findet einmal im Monat eine Eucharistiefeier statt. Unabhängig davon steht es Menschen jeder Konfession offen. Yoga gibt es für 15.- Franken einmal wöchentlich am Montagabend, und einmal im Monat findet in Anschluss daran für 5.- Franken eine Meditationsstunde statt. An verschiedenen Abenden steht der Bogen 11 & 12 für Konzerte, Workshops, Ausstellungen etc. bereit. «Das Konzept ist für 18- bis 30-Jährige ausgerichtet, das merkt man am Stil, es soll die Jungen ansprechen, aber wir haben auch sehr viele ältere Leute, die hier vorbei kommen, weil sie davon gehört haben und so einen Ort für die Jungen toll finden», führte Nadine Bozzolo aus.


Copyright © Christian Natiez (Schweiz). Foto und Text stehen dem Talent Café, dem jenseits IM VIADUKT sowie der Katholischen Kirche im Kanton Zürich (Bistum Chur) bei Nennung des Fotografen bzw. Autors unbefristet und unentgeltlich zur freien Verfügung.