Sonntag, 24. August 2014

«Liegen bleiben und Maul zu» (@StadtpolizeiZH)



Am Sonntagmorgen, 24. August 2014, um zirka 1 Uhr auf dem Weg durch die Gessnerallee zum Hauptbahnhof Zürich: Geschrei. Eine Frau brüllt herum. Dort, wo das Gebrüll her kommt, stehen einige Personen, scheinen sich hin und her zu bewegen. "Betrunkene?" fragt es sich. Aus 60, 70m Entfernung scheint, fast vor der Haustür der "Adecco Office" Filiale an der Gessnerallee 46, die Situation jede Sekunde zu eskalieren. 

Auf einen Umweg via Löwenstrasse habe ich keine Lust. Es scheint sich zudem "nur" um ein paar herum brüllende Betrunkene zu handeln. Zur Sicherheit aktiviere ich dennoch die LIVE-Videoaufzeichnung des Handys.
Zunächst fallen der wild herum irrende Lichtkegel einer Taschenlampe und eine Uniformierte am oberen Ende der in die Tiefe führenden Rampe am Ende der Gessneralle beim Hauptbahnhof auf. Die Stimme scheint von ihr zu kommen, auch die Taschenlampe scheint sie zu halten. "Securitas", denke ich auf die Entfernung. Sie ruft ein sich näherendes Polizeifahrzeug herbei und signalisiert mit Lampenbewegungen ihren Standort.

Gerade als ich mich dem oberen Ende der Rampe und der vermeintlichen Securitas-Wächterin annähere, kommt das Polizeifahrzeug auf der Strasse auf gleicher Höhe zum Stehen, ein Beamter stürzt aus dem Wagen und kämpft sich durch das Gebüsch zwischen uns und der Strasse. Nun sehe ich, dass die vermeintliche Securitas-Wächterin mit einer Waffe auf einen - der Stimme nach - Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zielt, der am unteren Ende der Rampe auf dem Boden liegt. Es dürfte sich also um eine Polizeibeamtin handeln, dem hellblauen Hemd nach von der Stadtpolizei Zürich.
Ich verstehe nur Wortfetzen, die von ihr kommen: "Spritze", meine ich etwa zu hören, aber damit dürfte sich die Beamtin kaum auf ihre Dienstwaffe beziehen... (möglicherweise befahl sie dem anderen, er solle die Spritze "nicht anfassen" oder "liegen lassen", aber dass die Polizei mit gezogener Waffe Festnahmen von Heroinabhängigen wegen Spritzens vornimmt, erscheint in der Stadt Zürich gegenwärtig höchst unwahrscheinlich). "Liegen bleiben und Maul zu!" brüllt sie jedoch gut verständlich. Der andere unten indessen greint, er habe doch nichts getan und sie solle ihm bitte nichts tun.

Ich filmte die Szene en passant - ungeniert auch nachdem jemand von hinten aufgefordert hatte: "Weg mit der Kamera, weg mit der Kamera!" Ich sah und hörte zwar nicht, ob das altbekannte Sprüchlein kleinbürgerlich-polizeidevot von zwei Gaffern kam, die stehen geblieben waren und die Szene beobachteten, oder von jenem Polizeibeamten, der sich durch das Gebüsch gedrückt hatte und nun an der Beamtin mit der Waffe vorbei die Rampe hinunter lief. Doch machte es keinen Unterschied, die Aufforderung war so oder so nichtig.
Trotzdem hatte ich kein Interesse an der möglichen Wiederholung einer unsanften Ausweiskontrolle wegen einem missachteten "Kamera weg!" - nicht zu denken an den Extremfall einer Festnahme und Beschlagnahme des Handys unter fadenscheinigen Vorwänden, die lediglich der Verhinderung einer Videodokumentation eines Polizeieinsatzes (bei dem Beamte sogar mit der Schusswaffe drohen) dienen würden. Die Szene unten auf der Rampe über das Geländer zu filmen verzichtete ich, um nicht die Aufmerksamkeit der Beamten mit Sicherheit auf mich zu ziehen. Stattdessen hielt ich mich aus dem offensichtlichen Einsatzperimeter heraus und filmte vom Rande her weiter. Dabei war nichts Spezielles festzustellen, das ein Nähergehen wieder erforderlich gemacht hätte. Einzig ein zweiter junger Erwachsener tauchte plötzlich aus dem Nichts auf, rief den Beamten zu, er sei "dabei" gewesen und ging darauf zu ihnen.

Kommentar: Alles in allem ein krönender Abschluss dieses meines Tages, an dem ich nur Stunden zuvor den Film "Sin City" das erste Mal gesehen habe.

Copyright © Christian Natiez (Schweiz)