Sonntag, 16. März 2014

Massenwandern - Protest gegen Politik der Schweiz

Am Samstag, 15. März 2014, zogen in der Schweizer Finanzmetropole Zürich rund 600 Menschen vom Bürkliplatz durch die Innenstadt zum Helvetiaplatz. Sie protestierten gegen die Konsequenzen der unlängst von den Schweizer Stimmberechtigten angenommenen Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) „gegen Masseneinwanderung“. In Anlehnung an die Initiative hatten die Organisatoren zum „Massenwandern“ geladen.

Was von der – seit der Annahme der SVP-Initiative vermehrt zu erwartenden – fremdenpolizeilich durchgeführten, zwangsweisen Trennung von Menschen in Beziehungen zu halten ist, brachte ein Transparent auf den Punkt: „Mann Frau sieht nur mit dem Herzen gut“. Mit Blick auf das Argument, in der Schweiz gebe es keinen Platz für weitere Zuwanderung, hielt ein anderes fest: „Eng ist es nur in den Köpfen“. „Bildung ist keine Ware sondern ein Grundrecht“, wünschte ein weiteres hinsichtlich der Auswirkungen der Initiative im Bildungswesen.
Ein Transparent, auf dem Hammer und Sichel abgebildet waren, schlug schließlich vor: „Flüchtlinge bleiben, Bonzen vertreiben“. Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Wirtschaftsverbände (zum Beispiel Economiesuisse) und -parteien (etwa die Liberalen) waren im Kundgebungspulk hingegen keine mit Transparenten zugegen – vielleicht arbeitet man in diesen Kreisen inzwischen regelmäßig auch Samstags, oder man geht am Samstagnachmittag an der Bahnhofstrasse sogar lieber nur shoppen als (auch noch) an eine Demo?

Jung und Alt fanden sich vereint im Wunsch nach einer weltoffenen Schweiz und einer gerechten Welt zusammen auf einer kleinen Massenwanderung durch die Zürcher Innenstadt. Aus Lautsprechern dröhnten Musik und Reden oder auch nur Slogans. So wurden „internationale Solidarität“, „kein Mensch ist illegal“ oder freie Bildung für alle gefordert. Hie und da skandierten Grüppchen auch Unmut über den Kapitalismus, den sie etwa als treibende Kraft hinter dem Faschismus bezeichneten.
Die Demonstration verlief friedlich. Die Stadtpolizei hielt sich im Hintergrund, ihre Präsenz war kaum wahrnehmbar. Auf der anderen Seite war kein „Schwarzer Block“ auszumachen. Der Umzug setzte sich dafür aus allerlei Gefährten zusammen: von der Megaboombox auf vier Rädern bis zur fahrbaren Bühne, die von einem Traktor gezogen wurde. Seifenblasen bahnten sich dort ihren Weg über die Köpfe der Wanderer. Dank bunter Kleidung und Transparente und kreativer Gestaltung der Wagen war die Kundgebung auch sehr farbenfroh.


Copyright © Christian Natiez (Schweiz)