Sonntag, 7. September 2014

Allzeit bereit mit MobileLite

Das Kingston MobileLite Wireless sieht auf den ersten Blick vielleicht wie ein unnötiges Gadget aus, entpuppt sich bei Gebrauch aber als superpraktische Storage-Lösung für zuhause und unterwegs. 


Das MobileLite ist ein Schreib- und Lesegerät für Speichermedien wie Sticks, externe Festplatten und SD-Karten (einschließlich microSD via Adapter). Es wird allerdings nicht via USB an PCs und Mobilgeräte angeschlossen sondern über WiFi. Damit ist die Übertragungsrate bei 54 Mbit/s um ein Vielfaches geringer als bei einem USB 2.0 Anschluß (480 Mbit/s). Dafür können bis zu drei Geräte gleichzeitig darauf zugreifen. Auch lassen sich Videodateien streamen, womit ihr vorgängiges vollständiges Kopieren in den internen Speicher des Androidgeräts zum Abspielen entfällt. Durch die Wireless-Verbindung kommt das MobileLite zudem ohne Kabel aus, was besonders unterwegs handlich und flexibel ist.

Die MobileLite App für Android ist zwar minimalistisch. Aber dank der Samba-Integration funktioniert das Kingston MobileLite als waschechter Netzwerkspeicher, dessen zwei Laufwerke (am USB- und am SD-Anschluss) sich mit einem geeigneten Dateimanager (zum Beispiel "Solid Explorer") in Android anbinden und verwalten lassen. Damit steht zum Öffnen von Dateien auf den an das MobileLite angeschlossenen Speichermedien auch jede installierte Wiedergabe-App zur Verfügung. Auch unter Windows und Linux lassen sich die zwei MobileLite-Laufwerke als Netzwerk-Laufwerke einbinden und verwalten (Mac wurde nicht getestet). Die mit 1TB größte getestete externe Festplatte ließ sich problemlos über das MobileLite mit dem Smartphone verbinden und von diesem lesen und beschreiben. 

Am häufigsten benutze ich das MobileLite, um Filme auf dem Smartphone anzusehen. Dabei werden die Filme nicht vorab vom MobileLite in den internen Speicher kopiert sondern gestreamed. Die Wiedergabe ist bei Filmen in SD-Qualität problemlos, als wäre der Film auf dem internen Speicher des Gerätes abgelegt. Bei FullHD-Streaming sind in der Praxis jedoch Schwankungen der Bildauflösungen bemerkbar (Wiedergabe von H.264 Videodateien via VLC Player), ungestörten Filmgenuss gibt es in SD-Qualität, nicht aber für FullHD H.264 Dateien (andere Formate konnten bisher nicht getestet werden).
Auch für das rasche Sichten von SD-Karten mit Fotos und Filmen aus einer Kamera oder Anhören von Sprachmemos aus einem Diktiergerät ist das MobileLite geeignet (ob eine am USB-Port angeschlossene Kamera vom MobileLite als Drive erkannt wird, hängt von Modell und Kamera-Einstellungen ab, dasselbe gilt für Diktiergeräte).

Da die Verbindung mit dem MobileLite via WiFi erfolgt, das MobileLite dabei als Access Point auftritt, erhalten als Klienten verbundene Geräte durch das MobileLite Zugriff auf das Internet. Zu diesem Zweck verbindet es sich selbst als Klient mit einem vom Benutzer bestimmten Access Point. Damit lässt sich das MobileLite notfallmässig auch als Mini-Repeater einsetzen.
Der Zugriff auf das Internet via MobileLite funktioniert prima. Der parallele Zugriff auf das MobileLite ist zwar auf drei Geräte beschränkt, dies hat sich im Einzelhaushalt aber nicht bemerkbar gemacht. Die Verbindungen lassen sich nach dem WPA2-Verfahren verschlüsseln. Es ist mit den Wireless-Standards IEEE 802.11 g und n ausgestattet, in der Praxis betrug die höchste Geschwindigkeit 72 Mbps, wobei das MobileLite 50cm vom Smartphone entfernt lag.

Allzeit bereit: dank eingebautem 1810maH Akku ist das MobileLite jederzeit einsetzbar - übrigens nicht nur als Schreib- und Lesegerät für Speichermedien oder als Repeater, der eingebaute Akku, der sich via USB an ein Mobile anschließen lässt, macht es zudem zum kompakten Ladegerät.
Alles in allem ist das MobileLite ein sehr preiswertes Multifunktionstool. Zum Preis eines 2000maH-Reserveakkus packt es weit mehr als nur ein Reserveakku.

Beim letzten Firmware-Update ist mir das MobileLite leider ausgestiegen ("bricked"). Das wäre der einzige Kritikpunkt, doch hat Digitec.ch es im Rahmen der Garantie ersetzt, ein erstes Firmware-Update funktionierte danach problemlos. In dieser Zeit wurde mir bewußt, welchen Stellenwert das MobileLite gewonnen hat, ich möchte es nicht missen.


Copyright © Christian A. Natiez (Schweiz)

Samstag, 6. September 2014

VR-Brillen gehört die Zukunft des Gamens

Virtual Reality (VR) Brillen fristen auf dem Massenmarkt noch ein Nischendasein. Ihnen haftet das Etikett des Experimentellen an. 3D gibt es heute zudem in guter Qualität vor dem Fernseher zuhause und in noch besserer im Kino. “Oculus Rift” ist seit der Übernahme durch Facebook wohl der bekannteste Name aus der VR-Küche, dabei ist das Rift erst in einer Entwicklerversion erhältlich. Doch haben Sony und Zeiss VR-Brillen bereits auf den Markt gebracht – ein Augenschein.

Die Zeiss “Cinemizer OLED” Videobrille ist seit Mitte 2012 auf dem Markt. Gegenwärtig ist sie von Amazon.com für rund 600 Euro zu haben, während die Konkurrenzmodelle von Sony rund 775 Euro (HMZ-T3W), 580 Euro (HMZ-T2) und 460 Euro (HMZ-T1) kosten (nur die do-it-yourself 3D-Kartonbox von Google, Google Cardboard zur Verwendung mit einem Smartphone, geht schon für 8 Euro über den Ladentisch). In der Pipeline sind ”Project Morpheus” (Sony, für PS4), ”Oculus Rift” (Facebook) und ”Gear VR” (Samsung, für Note 4, powered by Oculus).

Kompromiss aus Tragekomfort und Bildqualität

Eine Stärke des Konzepts der am Kopf getragenen 3D-Videobrille oder VR-Brille ist das Eintauchen in den Inhalt, sei es ein Videospiel, sei es ein Film. Störungen, Ablenkungen können zudem gänzlich ausgeblendet werden (Zeiss beispielsweise bietet als Zubehör zur Brille eine Gummimanschette zur lichtundurchlässigen Abdeckung der Augenpartie an, die übrigen Systeme umschließen diese bereits komplett). Die ungebrochene Konzentration der Betrachterin oder des Betrachters eignet sich besonders für die Aufnahme von Informationen beim Lernen und für das Bestehen in Actionspielen, bei denen Konzentrations- und Reaktionsvermögen zählen.
Das größte Problem beim Design von Videobrillen ist der Kompromiss aus Tragekomfort und Bildqualität: Je größer die Bildqualität, desto größer und schwerer die Bildschirme, die Videobrille. Entsprechend dem Gewicht der Videobrille gestalten sich die Befestigungsmechanismen am Kopf. Gut erkennen lassen sich die Bänder am Oculus Rift DK2, das denselben Bildschirm wie das Samsung “Note 3” Smartphone verbaut hat. Im Vergleich zur Cinemizer von Zeiss sind auch die Sony-Brillen größer und schwerer. Diese liefern dafür eine 1280x720 HD-Auflösung pro Auge (das Oculus Rift bietet 960x1080 Pixel pro Auge), während die Cinemizer 870x500 Pixel pro Auge bringt. Bildqualität und Ermüdung der Augen hängen außer von der Bildauflösung noch von weiteren Faktoren des Displays ab, und auch der Tragekomfort trägt je nach Einsatzgebiet und -dauer bedeutend zum Gesamtergebnis bei. Entscheidend für die Eignung eines bestimmten Modells ist sein geplanter Einsatz.

Die Zeiss Cinemizer OLED Videobrille eignet sich aufgrund ihrer leichten, kompakten Bauweise und dem passenden Reiseetui besonders für jene Gruppe von Leuten, die mit ihrem Laptop (oder einem kompatiblen Mobilgerät) jederzeit und überall, auch unterwegs, 3D-Filme filme sehen und Applikationen mit stereoskopischem Output benutzen oder trotz Störquellen in der Umgebung konzentriert Videodokumentationen und -streams in 2D und 3D betrachten. Die kleine, leichte Bauweise und der Tragekomfort gehen auf Kosten der Bildschirmgröße und damit der Auflösung, die unter den Werten der Konkurrenzgeräte liegt. Dafür liegt das Gewicht der Cinemizer-Brille mit zirka 120g wiederum deutlich unter den Werten der Konkurrenz (rund 320g bei Sony HMZ-T2 und HMZ-T3, 440g bei Oculus Rift DK 2).
Das Design der Cinemizer-Brille könnte gerade noch als Schwimmbrille durchgehen - sie fällt zwar auf, ist aber deutlich unscheinbarer als die Konkurrenzmodelle, die eher der Form von Taucherbrillen entsprechen. Apropos, besonders praktisch ist die Cinemizer-Brille im Strandbad, wo Helligkeit und zahlreiche Ablenkungen es erschweren, einen längeren Film mit dem Smartphone zu sehen. Mit der Cinemizer (und Gummimanschette oder einem Tuch über dem Kopf) ist es hingegen kein Problem, an der Sonne einen Film zu sehen.

VR-Brillen, die Zukunft des Gamens

Die 3D-Funktion der VR-Brillen ergibt vor allem im Bildungs- und Videogamebereich Sinn, wenn eindrückliche Visualisierungen vom 3D-Effekt profitieren. Aber weder die Cinemizer noch andere VR-Brillen sind derzeit ein Ersatz für 3D-Kinos. Filmliebhabern, denen es um 3D-Filmvorführung in Kinoqualität geht, gehen am besten ins Kino oder versuchen mit einem entsprechenden Set fürs Wohnzimmer auf ihre Kosten zu kommen.
Auch einen 2D Full HD Film sehe ich lieber auf meinem Smartphone (Super AMOLED, 1920x1080, 16 Mio. Farben, 5.1") als mit der Cinemizer (2x OLED, 870x500, 16 Mio. Farben, simuliert 40" auf 2m Distanz bei 30° Blickwinkel). Die Bildauflösung ist schlicht besser. Nichtsdestotrotz ist es gerade im Bett bequemer, die Videobrille zu tragen statt das Smartphone mit mindestens einer Hand vor Augen zu halten. In der Praxis ziehe ich bei Filmen in Full HD trotzdem die höhere Auflösung und somit das Mobile in der Hand vor. Unersetzlich finde ich die Cinemizer-Brille hingegen beim Lernen mit Filmen, sowohl in 3D als auch in 2D (zwar gibt es noch nicht so viele Bildungsfilme in 3D, aber der 3D-Effekt ist trotzdem eindrücklich, gerade bei Darstellungen zum Beispiel aus der Tiefsee oder dem Universum).

Dass Videospiele wie ”Portal” und ”Portal 2”, die intensiv mit Räumen und Räumlichkeit arbeiten, in 3D (via TriDEF Software) ein ganz anderes Spielerlebnis bieten mit der Cinemizer-Brille als zweidimensional auf dem Monitor, liegt auf der Hand. Inwiefern sie durch VR-Brille ein ganz anderes Spielerlebnis bieten, ist letztlich aber nur erlebbar. Eingefleischten Fans von Portal und Portal 2 empfiehlt sich zu überlegen, ob alleine die Möglichkeit, diese Spiele in 3D zu spielen, nicht Grund genug ist, sich um jeden Preis eine VR-Brille zu holen. Portal 2 in 3D war mit der Cinemizer das absolute Hammererlebnis.
Gamer, die in erster Linie bei sich zuhause mitten in das Geschehen ihrer Games vorrücken wollen, legen möglicherweise eher Wert auf hohe Auflösung als auf Handlichkeit und Portabilität ihrer VR-Brille. An dieser Stelle ist einzuschränken, dass selbst die 120g der Cinemizer-Brille nach zwei Stunden Videospiel in aufrechter Haltung auf Nase und Ohren spürbar waren (und einen Abdruck auf der Nase hinterließen). Doch die Auflösung von 870x500 schien bei Spielen wie "Portal 2" im 3D-Modus ausreichend.

Offen bleiben muss die Frage, ob sich der gegenwärtig stolze Preis von 700 - 1000 Franken und mehr für eine Qualitäts-Videobrille von Zeiss oder Sony rechtfertigt (das Oculus Rift soll 2015 für $200 bis $400 endlich auf den Markt kommen). Letztlich entscheidet die Häufigkeit der Nutzung über den Wert der Anschaffung:

  • Für den Powergamer, für den Videogames das halbe Leben sind, ist die VR-Brille zweifellos ganz einfach ein must-have (Sony arbeitet wohl deshalb bei der "Project Morpheus" an einer VR-Brille speziell für die PS4). VR-Brillen sind die Zukunft des 3D-Gamens.

  • Ob reine Filmliebhaber für diesen Preis mit den heutigen Brillen wirklich einen nennenswerten Mehrwert erhalten, scheint allerdings mehr als fraglich - sie investieren das Geld wahrscheinlich sinnvoller in Upgrades für ihr Heimkino, neue Filme und Kinokarten.

  • Bildungsbürger, die mit Videobrillen Störquellen ausblenden, um sich besser auf den Inhalt von Videodokumentationen zu konzentrieren, oder Applikationen mit stereoskopischem Output verwenden, könnten sich diesen Preis vermutlich eher leisten.

  • Für versierte Freizeit-Drohnenpiloten könnten VR-Brillen als Ergänzung zur Fernsteuerung interessant sein.

  • Wer schließlich kein TV-Gerät zuhause besitzt (und auch keines will), weil sie oder er Filme lieber im Kino sieht und sich mit Nachrichten aus Zeitungen und dem Internet versorgt, nun aber trotzdem auch aus dem Internet ab und zu einen 3D-Film sehen möchte (und die Anaglyph-Methode überholt findet), könnte sich eine VR-Brille als Alternative zu einem TV-Gerät überlegen.

Cinemizer OLED konkret

Die Stärke der Cinemizer-Brille von Zeiss sind leichte und handliche Bauweise, ihre Portabilität im mitgelieferten Reisetäschchen, das in jedes Handschuhfach passt.
Ihre “Schwäche” ist die gegenüber anderen Modellen etwas geringere Auflösung. Sie skaliert höher aufgelöste Bilder unbemerkt auf 870x500 Pixel:

  • Ob side-by-side (SBS) oder top-bottom (TB), 3D-Filme als Hauptanwendungsgebiet für stereoskopische Videobrillen kommen pro Auge stets in horizontal oder vertikal halbierter Auflösung (und entsprechend verzerrt) daher: 960x1080 bei Full HD SBS, 640x720 bei HD SBS (1920x540 bei Full HD TB, 1280x360 bei HD TB); einzig im Anaglyph-Verfahren dreidimensional dargestellte Filme sind von dieser Einschränkung nicht betroffen, aber dazu benötigt man keine 1000-Dollar-Videobrillen sondern eine Anaglyph-Brille für $2. Die Cinemizer skaliert sie jedenfalls alle auf 870x500 Pixel pro Auge herunter.

  • 2D Full-HD-Filme verlieren durch die Skalierung von 1920x1080 auf 870x500 am meisten Auflösung, 2D HD-Filme werden von 1280x720 auf 870x500 reduziert.

  • Filme in SD-Qualität (DVD) haben eine Auflösung von 720x576 im europäischen PAL- und von 720x480 im amerikanischen NTSC-Format, nur bei PAL gibt es eine geringfügige Reduktion der Bildqualität.

Der Gesichtsfeld-Ausschnitt, den die Projektionsfläche bei der Cinemizer einnimmt, ist mit 30° kleiner als die 45° der VR-Brillen von Sony und unterliegt auch dem Oculus Rift DK2, dessen außergewöhnliche Stärke mit mehr als 90° gerade das Gesichtsfeld zu sein scheint (je größer das von der Projektionsfläche eingenommene Gesichtsfeld, desto tiefer das vermittelte Eintauchen).
Ist die Hauptaufgabe nicht Wiedergabe von Filmen und -Videospielen in HD und Full HD, ist der in der Praxis durch die Skalierung auf 870x500 Pixel zu registrierende Auflösungsverlust in meinen Augen zu vernachlässigen. Wer jedoch Filmgenuss in höchster Qualität begehrt, ist mit einem hochwertigen, großen Plasmabildschirm im Wohnzimmer besser bedient als mit VR-Brillen, eigentlich generell (auch vom sozialen Aspekt her).
Völlig ungeeignet sind auf 870x500 Pixel herunter skalierte, im Original wesentlich höher aufgelöste Bilder, die Texte enthalten. Videospiele mit Texteinblendungen sind problemlos spielbar, wenn sie auf eine geringe Auflösung (800x600, 1024x768) eingestellt sind und die Skalierung durch die Cinemizer entfällt oder nur geringfügig ist.

Wer Bildungsfernsehen liebt und beim Betrachten einer Sendung Ablenkungen möglichst ausblenden will, ist mit der Cinemizer OLED gut bedient. Die Brille lässt sich an Apple iPhones und an Android-Mobilgeräte mit HDMI-Ausgang anschließen. Damit und gerade auch dank der schlanken Bauweise und dem Reiseetui kann sie faktisch überall und jederzeit benutzt werden.
Die Möglichkeit, 3D-Filme in diversen Formaten (SBS, TB, line interleave) zu sehen, trägt zur Anwendungsbreite bei (mangels Einstellbarkeit der HDMI-Parameter an den für diesen Test verwendeten Samsung Galaxy Mobilgeräten SM-G900F und SM-P605 ließ sich die 3D-Funktion der Brille mit ihnen nicht nutzen, denn die Cinemizer unterstützt bei 1080p 24Hz HDMI-Eingang keine 3D-Funktion). Die Cinemizer-Brille liefert gute 3D-Qualität. Getestet wurden 3D-Filme von YouTube via HDMI-Ausgang des Laptops bei einer Monitorauflösung von maximal 1366x768. Im SBS-Modus erreichten die 3D-Filme, sowohl HD als auch Full HD, aufgrund der Beschränkung des Laptops also eine maximale Auflösung von 683x768 Pixel pro Auge (die Cinemizer-Auflösung von 870x500 Pixel wurde bei 3D-Filmen in der Breite also nicht voll erreicht).


Copyright © Christian Natiez (Schweiz)

Sonntag, 24. August 2014

«Liegen bleiben und Maul zu» (@StadtpolizeiZH)



Am Sonntagmorgen, 24. August 2014, um zirka 1 Uhr auf dem Weg durch die Gessnerallee zum Hauptbahnhof Zürich: Geschrei. Eine Frau brüllt herum. Dort, wo das Gebrüll her kommt, stehen einige Personen, scheinen sich hin und her zu bewegen. "Betrunkene?" fragt es sich. Aus 60, 70m Entfernung scheint, fast vor der Haustür der "Adecco Office" Filiale an der Gessnerallee 46, die Situation jede Sekunde zu eskalieren. 

Auf einen Umweg via Löwenstrasse habe ich keine Lust. Es scheint sich zudem "nur" um ein paar herum brüllende Betrunkene zu handeln. Zur Sicherheit aktiviere ich dennoch die LIVE-Videoaufzeichnung des Handys.
Zunächst fallen der wild herum irrende Lichtkegel einer Taschenlampe und eine Uniformierte am oberen Ende der in die Tiefe führenden Rampe am Ende der Gessneralle beim Hauptbahnhof auf. Die Stimme scheint von ihr zu kommen, auch die Taschenlampe scheint sie zu halten. "Securitas", denke ich auf die Entfernung. Sie ruft ein sich näherendes Polizeifahrzeug herbei und signalisiert mit Lampenbewegungen ihren Standort.

Gerade als ich mich dem oberen Ende der Rampe und der vermeintlichen Securitas-Wächterin annähere, kommt das Polizeifahrzeug auf der Strasse auf gleicher Höhe zum Stehen, ein Beamter stürzt aus dem Wagen und kämpft sich durch das Gebüsch zwischen uns und der Strasse. Nun sehe ich, dass die vermeintliche Securitas-Wächterin mit einer Waffe auf einen - der Stimme nach - Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zielt, der am unteren Ende der Rampe auf dem Boden liegt. Es dürfte sich also um eine Polizeibeamtin handeln, dem hellblauen Hemd nach von der Stadtpolizei Zürich.
Ich verstehe nur Wortfetzen, die von ihr kommen: "Spritze", meine ich etwa zu hören, aber damit dürfte sich die Beamtin kaum auf ihre Dienstwaffe beziehen... (möglicherweise befahl sie dem anderen, er solle die Spritze "nicht anfassen" oder "liegen lassen", aber dass die Polizei mit gezogener Waffe Festnahmen von Heroinabhängigen wegen Spritzens vornimmt, erscheint in der Stadt Zürich gegenwärtig höchst unwahrscheinlich). "Liegen bleiben und Maul zu!" brüllt sie jedoch gut verständlich. Der andere unten indessen greint, er habe doch nichts getan und sie solle ihm bitte nichts tun.

Ich filmte die Szene en passant - ungeniert auch nachdem jemand von hinten aufgefordert hatte: "Weg mit der Kamera, weg mit der Kamera!" Ich sah und hörte zwar nicht, ob das altbekannte Sprüchlein kleinbürgerlich-polizeidevot von zwei Gaffern kam, die stehen geblieben waren und die Szene beobachteten, oder von jenem Polizeibeamten, der sich durch das Gebüsch gedrückt hatte und nun an der Beamtin mit der Waffe vorbei die Rampe hinunter lief. Doch machte es keinen Unterschied, die Aufforderung war so oder so nichtig.
Trotzdem hatte ich kein Interesse an der möglichen Wiederholung einer unsanften Ausweiskontrolle wegen einem missachteten "Kamera weg!" - nicht zu denken an den Extremfall einer Festnahme und Beschlagnahme des Handys unter fadenscheinigen Vorwänden, die lediglich der Verhinderung einer Videodokumentation eines Polizeieinsatzes (bei dem Beamte sogar mit der Schusswaffe drohen) dienen würden. Die Szene unten auf der Rampe über das Geländer zu filmen verzichtete ich, um nicht die Aufmerksamkeit der Beamten mit Sicherheit auf mich zu ziehen. Stattdessen hielt ich mich aus dem offensichtlichen Einsatzperimeter heraus und filmte vom Rande her weiter. Dabei war nichts Spezielles festzustellen, das ein Nähergehen wieder erforderlich gemacht hätte. Einzig ein zweiter junger Erwachsener tauchte plötzlich aus dem Nichts auf, rief den Beamten zu, er sei "dabei" gewesen und ging darauf zu ihnen.

Kommentar: Alles in allem ein krönender Abschluss dieses meines Tages, an dem ich nur Stunden zuvor den Film "Sin City" das erste Mal gesehen habe.

Copyright © Christian Natiez (Schweiz)

Donnerstag, 19. Juni 2014

Luege, lose, laufe

Eine kleine Verkehrskunde (im Umgang mit der VBZ)

"Fotografieren ist hier verboten!"
Heute morgen hatte ich einen kleinen Disput mit einem Buschauffeur der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ).


Für den Weg zur Arbeit benutze ich normalerweise den öffentlichen Verkehr. Und ebenso normalerweise überquere ich (als Stadtkind) die Straßen der Stadt nicht über Fußgängerstreifen, außer ich bin krank oder hätte etwas alkoholisches getrunken - dann benutze ich selbstverständlich prinzipiell ausschließlich die Fußgängerstreifen, ansonsten aber eigentlich nur, wenn sie gerade am Weg liegen (oder wenigstens keinen allzu großen Umweg erfordern).
Aus Prinzip (und vor allem aus rechtlichen Gründen; beachte bitte auch die allgemeinen Nutzungsbestimmungen dieses Blogs, insbesondere Ziff. 4 betr. Haftungsausschluss) wird aber dringend davon abgeraten, es mir gleich zu tun (ausgenommen natürlich das Benutzen des öffentlichen Verkehrs, dies sei euch unbenommen).

Luege, lose, laufe

Das Motto "luege, lose, laufe" gilt bei mir angesichts meiner städtischen Sozialisierung um so mehr. Ich überquere eine Straße nicht einmal bei Grün über den Fußgängerstreifen, ohne einmal kurz links und rechts zu gucken - es gilt, wie beim Autofahren, jeweils den Kopf zu "spicken", denn wie der obligate kurze Blick in den Rückspiegel bei Spurwechseln im Straßenverkehr Unfällen vorbeugt, so schützt der kurze Blick links und rechts beim Überqueren einer Straße vor möglicherweise herannahenden Gefahren wie Velos, Motorroller oder PKW, die ein Rotlicht überfahren haben. Grün bedeutet nicht automatisch, dass nicht irgendein Vollidiot nicht doch ein Rotlicht überfährt - nur zieht der Fußgänger gegenüber einem PKW (aber auch gegenüber einem Fahrrad) grundsätzlich den Kürzeren. Umsicht zahlt sich auch auf Zebrastreifen und bei Grün aus.

Die Straße, an der die Bushaltestelle bei meinem Arbeitsort liegt, überquere ich demnach meistens abseits des Fußgängerstreifens, wenn das Verkehrsaufkommen gering ist, uns zwar jeweils vorne, an der Front des Busses vorbei, bevor dieser weiter fährt. In der Regel verlassen viele Leute den Bus, sodass er jeweils ein Weilchen steht und ich, wenn ich unter den ersten Aufsteigern bin, genug Zeit habe, die Straße zu überqueren, bevor er weiter fährt.
Wenn ich die Straße vor der Weiterfahrt des Busses überquere, nehme jeweils kurz Blickkontakt mit den Buschauffeuren und -chauffeusen auf, um mich zu vergewissern, dass sie nicht gerade losfahren werden (und darauf folgt jeweils noch ein Blick auf die Straße hinter dem Bus, um sicher zu gehen, dass nicht trotz Verbots doch ein Auto naht, wobei der Verkehr in diesem Moment ohnehin hinter dem Fußgängerstreifen wartet, bis die ganze Menge an Menschen, die gerade aus dem Bus ausgestiegen ist, den Fußgängerstreifen überquert hat, aber Vertrauen ist gut, Kontrolle besser).

Im falschen Film

Zwar bewege ich mich mit meinem Stil in gewissem Sinn "off-road", stelle damit aber in keiner Weise per se eine Behinderung des Verkehrs oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer dar und begehe ebenso wenig per se eine andere Verkehrsregelwidrigkeit. Wenn beispielsweise ein Fußgänger beim Überqueren einer Straße abseits eines Fußgängerstreifens gegenüber Fahrzeuglenkern den Vortritt erzwingen würde, dann läge eine Verkehrsregelverletzung vor. Oder würde ich einen Bus an der Abfahrt hindern, läge eine Verkehrsregelwidrigkeit vor. Das Problem bei einem Unfall bestünde abseits eines Fußgängerstreifens - Unfälle passieren aber leider auch auf Fußgängerstreifen! - im Allgemeinen aber vor allem im rechtlichen Umstand, dass Fußgänger beim Überqueren einer Straße abseits des Fußgängerstreifens keinen Vortritt haben.

Heute stiegen nur zwei, drei Leute aus dem Bus aus (ich war auf einem späteren Bus als sonst). Deshalb fuhr der Bus auch wieder los, bevor ich die Straße überquerte. Ich hielt auf dem Bürgersteig inne, als ich seine Abfahrt registrierte. Der Blickkontakt mit dem Chauffeur war heute aber ziemlich säuerlich: Der Typ sah mich an, fuhr los, hielt auf meiner Höhe wieder an, sah zu mir und machte mit beiden Händen die bekannte Wischbewegung vor dem Gesicht, die geistige Zurückgebliebenheit signalisiert.
In diesem Moment überprüfte ich innerlich rasch, wo ich stand: auf dem Bürgersteig, ich hatte ihn nicht verlassen, war stehen geblieben, als sich der Bus in Bewegung setzte. Ich hatte keinen Fehler gemacht. Aber der Chauffeur wird meine Absicht natürlich erkannt haben. Denn obwohl ich noch auf dem Bürgersteig stand, war ich der Straße zugewandt, die ich ja überqueren wollte, es war für Außenstehende leicht zu erkennen, dass ich die Straße zu überqueren beabsichtigte.
Zwar fühlte ich mich nun "im falschen Film". Ich ließ mich von der Gestik des Chauffeurs aber erst mal nicht provozieren, wartete einfach, dass er weiterfährt. Dann könnte ich auch die Straße überqueren. Aber der Bus blieb stehen, der Chauffeur grinste und glotze mich an. Offenbar wartete er auf eine Reaktion auf seinen Provokationsversuch.

Die Behinderten-Keule

Nach zirka 5 - 7 Sekunden bedeutete ich ihm mit Gestik weiterzufahren (indem ich entsprechend mit der Hand in seine Fahrtrichtung wedelte). Nun öffnete er die Türe und setzte zu sprechen an. Ich kam ihm aber zuvor und herrschte ihn an: "Fahr ab!" Doch anstatt die Türe wieder zu schließen und weiterzufahren (er hätte ja eigentlich seinen Fahrplan einzuhalten gehabt), setzte er nochmals zu sprechen an. Ich sofort wieder: "Fahr ab!" Dazu zeigte ich nun mit der ausgestreckten Rechten in seine Fahrtrichtung.
Glaubte er wirklich, dass ich ihm zuhören würde, nachdem er mich zuerst mit vulgärer, herabsetzender Gestik zu provozieren versucht hatte? Nein, darum ging es ihm nicht. Denn er doppelte nach. "Sie haben heute morgen das falsche Tablettchen genommen, was?" antwortete er und kicherte (vermutlich bezog er sich auf meine zweimalig recht ungehalten angebrachte Weisung, "abzufahren"). "Wie bitte!? Das geht jetzt klar zu weit!" lautete meine aufgebrachte Antwort.

Mir war augenblicklich klar, womit ich es mutmaßlich zu tun hatte: mit sogenannt "gutbürgerlicher", kuhschweizer Arroganz gegenüber Menschen mit Behinderungen, womöglich auch gegenüber Menschen ausländischer Herkunft, Frauen, religiösen Minderheiten etc. Das Übliche eben, das man erwarten kann, wenn Kuhschweizer die Behinderten-Keule schwingen (in diesem Fall zuerst Gestik, die die Unterstellung geistiger Zurückgebliebenheit bedeutet, dann eine Anspielung auf Medikamenten-Konsum).
Leider ist die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung - u. a. indem Pathologisierungen überhaupt zur Herabsetzung der sozialen Geltung eines Menschen herangezogen werden, aber auch indem Menschen mit Behinderungen offen verhöhnt werden (ich möchte wirklich nicht wissen, was Menschen mit sichtbaren Behinderungen vom kuhschweizer Mob alles anhören und über sich ergehen lassen müssen) - in der Schweiz eine verbreitete Unsitte, selbst in sogenannten "besten Kreisen". Im Jahr 2009 sah sich sogar das Schweizerische Bundesamt für Sozialversicherungen zu einer kontroversen Aufklärungskampagne veranlasst.

Ein Meldefall

Nachdem der Chauffeur sein Sprüchlein über "Tablettchen" fahren lassen hatte, versuchte er sofort die Tür wieder zu schließen. Er wirkte hastig, aber ich kam ihm wieder zuvor und war schon im Bus neben dem Führerstand, als sich die Tür hinter mir schließlich schloss. Ich erklärte ihm, dass ich nun noch eine Station mitfahre, um seinen Namen zu notieren, und dass ich mich über ihn beschweren werde. Ich setzte mich, nahm mein Mobiltelephon hervor, und er fuhr wieder los.
Während der Fahrt dachte ich laut: "Ich hatte schon einmal Probleme mit einem Buschauffeur, aber..." Er ließ mich nicht ausreden. "Aha, dann sind sie ja wohl schon bekannt bei uns", unterbrach er und kicherte wieder. "...aber das war vor 20 Jahren, und seither gab es keine Zwischenfälle mehr, außer mit ihnen jetzt", setzte ich meinen lauten Gedanken seelenruhig fort (was ich ihm nicht sagte: vom Zwischenfall damals war ich selber nicht betroffen, ich war damals Zeuge eines Zwischenfalls mit einem ZVV-Chauffeur und zwei Fahrgästen aus Südosten).

An der nächsten Haltestelle notierte ich seinen Nachnamen. Den Vornamen wollte er partout nicht nennen, verdeckte sogar das Namensschild mit der Vornamensinitiale. Das gehe mich nichts an, rechtfertigte er sich. Etwas entnervt aktivierte ich darauf die Kamera des Mobiltelefons und nahm ihn "ins Visier", worauf er aufbegehrte: "Fotografieren ist hier verboten!" Dazu hielt er die Hand vor die Linse. Nach dem Fotoshooting wies er mich an, rasch aufzusteigen: "ich muss weiter fahren". Während ich ausstieg sagte ich ruhig, eindringlich zu ihm: "Sie müssen sich bewusst sein, dass das so nicht geht."
Darauf rief ich die VZB an (Hauptsitz, keine 0848-Nummer wie die offizielle Nummer des VBZ-Kundenservices) und wurde mit dem Kundendienst des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) weiter verbunden, als ich bestätigte, dass ich mich beschwere und man den betreffenden Chauffeur möglicherweise aus dem Verkehr nehmen muss. Zu meiner Freude wurde ich sofort verbunden (keine Warteschlaufe).

Der ÖV ist auf Rückmeldungen angewiesen

Obigen Sachverhalt brachte ich in gedrängter Form mündlich vor und betonte, dass jemand mit mehr Temperament auf die provozierende Gestik gegen den Chauffeur vielleicht tätlich geworden wäre, dass ich aber in der Schweiz sozialisiert wurde und mich deshalb einfach brav bei der VBZ telefonisch beschwere. Die Provokation wäre aber auch meiner Ansicht nach Anlass gewesen, dem Chauffeur eine zu kleben (wenn wir in einer anderen Kultur wären).
Zum Schluss hielt ich fest, dass der betreffende Chauffeur möglicherweise sofort aus dem Verkehr zu nehmen ist (je nach Ursache seines Fehlverhaltens, zum Beispiel Alkohol), dass sein Verhalten nach meinem Gutdünken jedenfalls unabhängig von der Ursache nicht normal war. Das Gespräch schloss ich mit der Befürchtung, dass der Chauffeur die Vorwürfe vielleicht bestreiten wird. Die Kundendienst-Mitarbeiterin beruhigte aber, dass es auf jeden Fall ein Gespräch zwischen dem betreffenden Chauffeur und einem Vorgesetzten geben wird und dass solche Rückmeldungen für den ZVV auf jeden Fall wichtig sind.

Wenn sich voneinander unabhängige Beschwerden über einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin häufen, kann man intervenieren. Deshalb ist es wichtig, dass der ZVV bzw. die VBZ Rückmeldungen überhaupt erhält, ungeachtet der Frage, ob Vorwürfe eingestanden oder bestritten werden


Copyright © Christian A. Natiez (Schweiz)

Samstag, 19. April 2014

Boot Loop mit Android 4.3 auf dem Galaxy S3

Wer kennt ihn nicht, den Boot Loop? Nun, die meisten Menschen, die ihr Handy-OS im Originalzustand lassen, sollten keine Bekanntschaft damit machen. Solche Phänomene wären eigentlich nur als mittelbare Folge von Modifikationen wie Rooten (Jailbreaken bei iPhones) zu erwarten.

Zwar konnte ich es irgendwann letzten Herbst tatsächlich nicht mehr lassen, mein Samsung Galaxy S3 zu rooten (“warranty voiding” hin oder her: es heißt, die Swisscom sei angeblich kulanter als Samsung), aber ein Zusammenhang zwischen Root und Boot Loop ist – auch ohne experimentelle Überprüfung – in meinem Fall eher auszuschließen:

  1. das Gerät lief nach dem Rooten und der Installation der drei, vier Apps von Google Play, die den Rootzugang benötigen, monatelang weiterhin problemlos,
  2. das erste persistierende Boot Loop trat etwa ein halbes Jahr nach dem Rooten und zirka einen Monat nach dem Update von Android Version 4.1.2 auf 4.3 (natürlich sogleich auch wieder gerootet) auf und
  3. die Ursache des Boot Loops konnte ich letzte und diese Woche schließlich experimentell nachweisen und ihn dann entsprechend reproduzieren bzw. wieder beseitigen.

Boot Loop seit Android 4.3

Die Vermutung liegt nahe, dass die Ursache des Boot Loops in Android 4.3 liegt. Vielleicht ist Root auf Android 4.3, zumindest beim S3, nicht gleich problemlos wie Android 4.1.2.? Apples iPhones sollen inzwischen ja auch Jailbreak-resistent sein.

Auf dem S3 verwende ich das gerootete original Rom (“stock rom”) meines Netzproviders (Swisscom, inklusive dessen Logo beim Booten). Obwohl dieser Anfang November 2013 das Update 4.3 zum Download bereit gestellt hatte, gab es damit weltweit Probleme auf dem S3: bevor ich es installieren konnte, hatte Samsung das Update wieder zurück gezogen. Den Rückmeldungen der S3-Besitzer war unter anderem zu entnehmen, dass nach dem Update der Boot viel länger dauert.
Könnte es sein, dass das, was ich – ein recht ungeduldiger Mensch – subjektiv als “Boot Loop” erlebte, gar kein Boot Loop war sondern lediglich die mit dem Update 4.3 verlängerte Bootzeit? Dass ich das Gerät aus Ungeduld jeweils einfach zu früh abschaltete, dass ich nur Geduld aufzubringen gebraucht hätte, das Ende der Bootsequenz abzuwarten? In der Tat, das hätte theoretisch auch die Ursache sein können. Winking smile Bloß: wenn das Gerät vor dem Schwimmen gestartet wird und nach dem Schwimmen immer noch das Boot-Logo zeigt, versucht es über Vernunft lange zu booten.

Interessant war zunächst, dass es sich manchmal booten ließ, manchmal nicht. Manchmal ließ es sich nach einem Löschen des Cache-Speichers wieder starten. Manchmal nützte auch das nichts mehr. Manchmal half erst das Löschen des Dalvik-Caches. Es blieb am Schluss jeweils nichts anderes übrig, als das Phone jeweils mit einem CWM-Backup-Image (und die seit dem letzten CWM-Backup entstandenen Daten mit Helium) wieder herzustellen. Nachdem ich das System so einmal komplett neu aufgesetzt hatte, das Problem aber nach kurzer Zeit wieder entstand, hieß es seit etwa Anfang März letztlich: Jeder “Boot” jeweils ein Recovery von ein bis zwei Stunden Dauer? Das ist für kurze Zeit, als Notlösung machbar. Aber wie froh war ich, als endlich Ostern und damit Zeit kam, mich dem Problem mit der nötigen Tiefe zu widmen…

Boot Loop als Folge von Apps auf externer SD-Karte?

Da der allererste Boot Loop auftrat, nachdem ich einige Apps mit der in Android 4.3 neuen entsprechenden System-Funktion auf die externe SD-Karte verschoben hatte, und dann wieder verschwand, als ich eine fragliche App wieder auf den internen Speicher zurückverschoben hatte, schwante mir, dass ein Zusammenhang mit dem Verschieben von Apps auf die externe Karte bestehen könnte. Vielleicht waren einige Apps nicht kompatibel damit? Diesbezügliche Gewissheit erhielt ich, als der Boot Loop nach dem Verschieben mehrerer Apps auf die externe SD-Karte erneut auftrat.

Nun stand ich vor einem großen Problem: mit 16GB internem Speicher verfügte mein S3 anscheinend nicht über genug Speicher für all meine Apps. Es bräuchte mindestens 32GB. Eine Neuanschaffung steht aber außer Frage, sie wäre unwirtschaftlich. Deshalb hatte ich so viele Apps wie möglich auf die externe SD-Karte ausgelagert, was zum Boot Loop führte. Ein Teil der Apps musste also schlicht weg. Aus diesem Grund musste ich Prioritäten setzen: Welche Apps benötige ich wirklich jederzeit bei mir (und somit auf dem Phone), bei welchen Apps genügt eine Installation auf dem Tablet?

Problemlösung: Aufräumen des Phones

Es war eine in gewissem Sinn kontemplative Aufgabe, auch innerlich befreiend, Apps, die ich ein paar mal ausprobiert habe und kaum je wieder benutzen würde, zu löschen. Daneben gibt es eine Menge Apps, die ich nur noch auf dem Tablet nutze und die ich nur noch notfallmäßig auf dem Phone benutzen würde.
Trotzdem blieb auch nach dieser Bereinigung kaum Platz auf der internen SD-Karte des S3. Zwar benötigten die verbleibenden, nun alle auf dem internen Speicher abgelegten Apps zusammen laut App-Manager nur noch 1.9GB, aber das S3 warnte trotzdem einmal sogar, dass nur noch 45MB auf der internen SD-Karte frei seien. Irgendwo musste sich demnach Datenmüll angestaut haben, den nicht einmal die “Clean Master” App aufzuspüren und zu löschen vermochte.

Ein Problem waren Gallery-Thumbnails, die Android von auf dem Gerät oder auf der externen SD-Karte gespeicherten Bildern automatisch erstellt. Da auf meiner externen 64GB SD-Karte recht viele Fotos vorhanden waren (nebst Eye-Fi- unter anderem auch synchronisierte Picasa- und Facebook-Alben), belegten die Gallery-Thumbnails etwas mehr als 3GB Speicher, unerklärlicherweise auch nachdem ich sämtliche Fotos von der externen wie auch der internen SD-Karte gelöscht hatte. Diese 3GB ließen sich nicht tilgen, wie oft ich es auch versuchte, im besten Fall ließen sie sich auf 1.5GB reduzieren (später fand ich heraus, dass die automatische Synchronisation von Picasa-Webalben dafür verantwortlich war).
Ein weiteres Problem waren Daten, die zu nicht mehr benötigten, gelöschten Apps gehörten. Diese waren im (ohne Rootrechte nicht bearbeitbaren) Systembereich der internen SD-Karte abgelegt, und Android hatte sie beim Löschen der Apps offenbar nicht mitgelöscht. Ein Fall war besonders interessant, da dasselbe obsolete Datenpaket sogar doppelt vorhanden war und so etwa 650 statt nur 325MB belegte. Diese Datenpakete entdeckte ich mit der App “DiskUsage”. Um sie zu löschen, sind Rootrechte erforderlich, alternativ bietet sich ein Factory-Reset bzw. ein Wipen und Neuaufsetzen des Geräts an.

Fazit: Externe SD-Karte ggf. erst nach dem Booten einsetzen

Nachdem ich das Gerät bereinigt hatte, blieben – mit sämtlichen von mir als essentiell einstuften Apps installiert – rund 3.5GB interner SD-Speicher frei. Dies gestattete mir sogar, einige Apps, die auf dem Phone nur nice to have sind, wieder zu installieren, worauf noch 2GB frei waren (die sehr empfehlenswerte Fitness-App “The Walk” beispielsweise belegt rund 1GB). Dies lässt genug internen Speicherplatz für Apps, die Daten nur auf der internen SD-Karte anlegen können.
Schließlich verschob ich experimentell wieder einige Apps auf die externe SD-Karte. Und tatsächlich: Der Boot blieb wieder jedes Mal hängen (wenn es zu viele Apps auf der externen SD waren). Erst nachdem ich sie wieder auf die interne SD zurück verschoben hatte, bootete das S3 vollständig und auch relativ zügig.

Es lassen sich wohl einige Apps auf der externen SD ablegen und das S3 bootet trotzdem, aber die Erfahrung zeigt jetzt, dass es nicht zu viele sein dürfen. Ob ein Zusammenhang zu bestimmten Apps besteht, habe ich nicht eruiert; jedenfalls können auch Apps ohne Widgets oder Teilen-Funktion den Boot blockieren, wenn sie auf der externen SD-Karte sind.
Beim so bedingten Boot Loop hilft nur, die SD-Karte für den Boot heraus zu nehmen und danach wieder einzusetzen. Die externe SD-Karte lässt sich problemlos erst nach dem Boot einstecken.



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Sonntag, 16. März 2014

Massenwandern - Protest gegen Politik der Schweiz

Am Samstag, 15. März 2014, zogen in der Schweizer Finanzmetropole Zürich rund 600 Menschen vom Bürkliplatz durch die Innenstadt zum Helvetiaplatz. Sie protestierten gegen die Konsequenzen der unlängst von den Schweizer Stimmberechtigten angenommenen Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) „gegen Masseneinwanderung“. In Anlehnung an die Initiative hatten die Organisatoren zum „Massenwandern“ geladen.

Was von der – seit der Annahme der SVP-Initiative vermehrt zu erwartenden – fremdenpolizeilich durchgeführten, zwangsweisen Trennung von Menschen in Beziehungen zu halten ist, brachte ein Transparent auf den Punkt: „Mann Frau sieht nur mit dem Herzen gut“. Mit Blick auf das Argument, in der Schweiz gebe es keinen Platz für weitere Zuwanderung, hielt ein anderes fest: „Eng ist es nur in den Köpfen“. „Bildung ist keine Ware sondern ein Grundrecht“, wünschte ein weiteres hinsichtlich der Auswirkungen der Initiative im Bildungswesen.
Ein Transparent, auf dem Hammer und Sichel abgebildet waren, schlug schließlich vor: „Flüchtlinge bleiben, Bonzen vertreiben“. Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Wirtschaftsverbände (zum Beispiel Economiesuisse) und -parteien (etwa die Liberalen) waren im Kundgebungspulk hingegen keine mit Transparenten zugegen – vielleicht arbeitet man in diesen Kreisen inzwischen regelmäßig auch Samstags, oder man geht am Samstagnachmittag an der Bahnhofstrasse sogar lieber nur shoppen als (auch noch) an eine Demo?

Jung und Alt fanden sich vereint im Wunsch nach einer weltoffenen Schweiz und einer gerechten Welt zusammen auf einer kleinen Massenwanderung durch die Zürcher Innenstadt. Aus Lautsprechern dröhnten Musik und Reden oder auch nur Slogans. So wurden „internationale Solidarität“, „kein Mensch ist illegal“ oder freie Bildung für alle gefordert. Hie und da skandierten Grüppchen auch Unmut über den Kapitalismus, den sie etwa als treibende Kraft hinter dem Faschismus bezeichneten.
Die Demonstration verlief friedlich. Die Stadtpolizei hielt sich im Hintergrund, ihre Präsenz war kaum wahrnehmbar. Auf der anderen Seite war kein „Schwarzer Block“ auszumachen. Der Umzug setzte sich dafür aus allerlei Gefährten zusammen: von der Megaboombox auf vier Rädern bis zur fahrbaren Bühne, die von einem Traktor gezogen wurde. Seifenblasen bahnten sich dort ihren Weg über die Köpfe der Wanderer. Dank bunter Kleidung und Transparente und kreativer Gestaltung der Wagen war die Kundgebung auch sehr farbenfroh.


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