Dienstag, 12. Juni 2012

Sardellen, Butter und Brot

Sardellenfilets an Meersalz
Sardellen? Wer isst schon Sardellen? Sardellen esse ich selten. Denn Sardellen kommen in der Regel in der Dose daher und schwimmen darin im Öl. Wer aber isst schon Sardellen aus der Dose? Der Conaisseur aus der Nachbarschaft? Sardellen - eine Delikatesse? Nein, wirklich nicht, zumindest nicht die Sardellen aus der Dose. Sardellen esse ich normalerweise, wenn sie auf einer Pizza ihren Platz gefunden haben und gebacken sind.
Neulich habe ich mir allerdings ausnahmsweise Sardellen ausserhalb des Pizza-Rahmens gegönnt: Sardellen, Butter und Brot. Wesentlich war vielleicht, dass die Sardellen nicht aus der Dose sondern aus einem Plastic-Beutel stammten und rund dreimal so teuer wie ölige Sardellen aus der Dose waren. Es waren sozusagen Feinschmecker-Sardellen (siehe Foto).

Feinschmecker-Sardellen? Ob mir was zu Kopf gestiegen ist? Nein. Fisch mag ich wirklich. Schon als kleiner Junge war ich es, der von den Eltern Lebertran verlangte. Meine Eltern kamen nicht von sich aus auf die Idee, mich mit unappetitlichem Lebertran zu quälen. Auch meine Schulkameradinnen und -kameraden wurden nicht mit Lebertran geplagt. "Tran" war keine Mode bei uns. Nein, ich war es, der nach Lebertran verlangte. Irgendwo hatte ich das Klischee aufgeschnappt, dass Kinder Lebertran hassen würden, glaubte diese Mär aber nicht so recht und wollte es selber probieren. Ich bekam auch, wonach es mich gelüstete, und ich erinnere mich heute noch daran, wie wir das Glas Lebertran in der Apotheke besorgten. Später stieg ich auf Fischöl-Kapseln um, mit Omega-3-Fettsäuren und so weiter. Aber ein Glas Fischöl hab ich damals gekriegt mitsamt Einnahmeverordnung. Dieses Fischöl war weder schlecht noch unappetitlich, aber beiweitem auch nicht so schmackhaft wie etwa der Hustensaft aus derselben Apotheke (aus gesundheitlicher Sicht ist das eigentlich bedenklich). Jedenfalls nahm ich fortan brav meinen Löffel „Lebertran“ vor dem Zubettgehen.

Fisch mag ich also. Rollmops beispielsweise. Au ja, Rollmöpse gehören zu meinem Speiseplan. Meistens esse ich gleich zwei oder drei aufs Mal, ein volles Fischmenü eben. Im Prinzip esse ich das ganze Programm, das Seen und Meere zu bieten haben (in diesem Moment einmal ungeachtet der Überfischungs-Problematik). Es gab bisher nichts aus den Gewässern, das mir nicht gemundet hätte. Es kommt allerdings sehr darauf an, wie Fisch zubereitet wird: Sardellen aus dem Öl, in dem sie in der Konserve lagern, kann man gerade essen, aber, wie gesagt, am besten auf einer Pizza und gebacken.

Auf der Suche nach einem Lunch flanierte ich vor einigen Wochen also durch das Lebensmittelgeschäft am Fischregal vorbei. Eigentlich hatte ich Lust auf Rollmops. Aber den gab es da nicht. Stattdessen fiel mein Blick auf eine augenscheinliche Delikatess-Verpackung mit gesalzenen Sardellenfilets. Sauteuer aber, etwas unter 8 Franken für 50g. Anders als die bekannten Sardellen aus der Öl-Konserve wiesen diese gesalzenen Delikatess-Sardellenfilets Schuppen auf: ihre Haut war nicht vollständig abgezogen wie man es von den Sardellenfilets aus der Dose gewohnt ist, und sie waren um einiges grösser als Konserven-Sardellen. Obwohl diese Delikatess-Sardellenfilets um einiges teurer waren als die gleiche Menge Sardellen aus dem Öl, gönnte ich mir eine Packung zu Butter und Brot. Der einzige „Haken“ dabei: das Meersalz war unter fliessendem Wasser abzuspülen. Aber das war nicht wirklich ein Haken. Nur das Gröbste habe ich abgespült, um anschliessend die Sardellenfilets noch immer leicht meersalzig zu geniessen. Ja, das hat sich gelohnt!

Trotzdem: Sardellen bleiben Sardellen, auch wenn sie als meergesalzene Delikatess-Sardellenfilets teuer vermarktet werden. Regelmässig würde ich keinen Sardellen-Lunch zu mir nehmen. Warum aber nicht ab und zu? Einige Wochen später hielt ich also im Lebensmittelgeschäft wieder Ausschau nach exquisiten Sardellenfilets, fand aber nur Ölkonserven und Gläser mit um Kapern gewickelten Sardellen. Ich entschied mich für die Rollsardellen mit Kapern. Die schmeckten freilich wie Medizin, vermutlich wegen den Kapern und dem Öl. Nie wieder!
Sardellen werde ich weder täglich noch wöchentlich noch monatlich essen. Ich werde sie aber ganz sicher ab und zu geniessen, roh, ungebacken, ohne Öl, dafür meergesalzen, die Delikatess-Sardellenfilets mit anderen Worten, auch wenn sie viel teurer sind als Konserven-Sardellen. Vorausgesetzt, dass sie überhaupt erhältlich sind. Weil Sardellen auf dem Teller aber ohnehin Seltenheitswert haben, bleiben diese Delikatess-Sardellenfilets erschwinglich. Und sie bleiben erste Wahl, damit Sardellen ein Genuss sind und bleiben. Erhältlich: im COOP am Bahnhof Stadelhofen in Zürich. 


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Sonntag, 10. Juni 2012

Der Venustransit 2012 von blossem Auge

Venustransit 2012

Der Venustransit am 5. und 6. Juni 2012 war ein astronomisches Ereignis schlechthin. Denn das nächste Mal wird er erst in 105 Jahren wieder zu beobachten sein.
Leider war es mir nicht vergönnt, die Venus in der Sonnenscheibe zu beobachten, obwohl der Transit, der am 5. Juni um 22.09 GMT begann und am 6. Juni um 4.49 GMT endete, nach Sonnenaufgang in Zürich um 3.31 GMT (5.31 MET Sommerzeit) während rund 1¼ Stunden (bis 6.49 MET) zu sehen gewesen wäre. Zum einen war es bevölkt. Zum anderen hatte ich keine geeignete "Sonnenbrille". All jenen, die im Jahr 2117 parat sein wollen, empfiehlt es sich, das Schauspiel durch eine Schweissbrille mit Filter Nr. 14 zu verfolgen. All jenen ohne solche Ausrüstung boten Liveübertragungen von Observatorien allerdings Gelegenheit, noch näher dabei zu sein: sehr empfehlenswert ist die Aufzeichnung des "Solar Dynamics Observatory" (SDO) der NASA. Eindrückliche Bilder davon sind in einem rund dreiminütigen Clip auf dem YouTube-Kanal der NASA zu sehen.


Aber auch ohne den Transit der Venus von blossem Auge zu sehen, war es spannend, diesen Moment, da sie zwischen Sonne und Erde wandert, zu spüren, zu wissen, dass sich Sonne, Venus und Erde auf einer Geraden befinden - und einen Schnappschuss vom Firmament in just diesem Augenblick zu machen.


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