Donnerstag, 8. Dezember 2011

Synchron fliegende Möwen

Möwen im Wind
Synchron-Flieger in der freien Natur
Als ich mich gestern Mittwoch, 7. Dezember 2011, über Mittag an die Sihl setzte und mein Brot aus der Tüte kramte, tauchten auf einen Schlag rund zehn, zwanzig Möwen auf, die zuvor friedlich im Wasser getrieben waren. Ich staunte: sie mussten das Brot gerochen haben, und zwar auf zwanzig oder dreissig Meter Distanz. Vielleicht hatte das Knistern der Verpackung und das Knacken der Rinde beim Brechen des Brotes das Seine noch dazu getan, die Möwen anzulocken. Dennoch überraschend, wie sensibel diese Vögel ihre Umwelt wahrnehmen.

Was mich darauf erst recht erstaunte: sie hingen wie Trauben einfach in der Luft. Ohne mit den Flügeln zu schlagen, blieben sie in der Schwebe. Was für ein Kunststück!

Möwen im Wind

Die Erklärung ist einfach: Der Wind pfiff nicht nur mir um die Ohren, er verwandelte die Sihl geradezu in einen Windkanal. Die stürmischen Böen erlaubten den Möwen, ohne Flügelschlag ihre Position in der Luft zu halten. Sie richteten Körper und Flügel aus, um gegen den Wind zu navigieren oder eine Position zu halten. Beachtlich, wie sicher sie sich im stürmischen Wind bewegen, als wäre Sturmwetter ihr Alltag.
Ich hatte den Eindruck, es macht ihnen sogar Spass, im Wind zu fliegen. Sie liessen sich von starken Böen auf 50 bis vielleicht sogar 100 km/h beschleunigen, um dann jäh aus dem Strom auszubrechen und zu ihrem Clan zurückzukehren. Oder aber sie hingen sich in den Windstrom, ohne sich merklich zu bewegen, die Flügel gespreizt - als ob ihnen dies eigentlich Spass bereiten würde. Die Möwen können sich in der Schwebe natürlich die Umgebung unter sich viel näher angucken als sonst im Vorbeiflug.

Sie guckt, die Möwe

Bemerkenswert war ihre synchrone Flügelhaltung. Man sieht wohl selten eine Schar Möwen, von der alle synchron die Flügel gespreizt halten. Das gibt es nur im "Windkanal" und ist eine seltene Gelegenheit, ein eindrückliches Schauspiel zu erleben: nicht nur den Möwen sondern auch mir hat ihre "Luftfütterung" Spass gemacht. Wirft man ein Stückchen Brot in die Luft, schnappen sie es sich in der Luft. Es gibt nichts Faszinierenderes als zehn, zwanzig Möwen, die in nur wenigen Metern Distanz um einen herum und über einem mit gespreizten Flügeln im Wind schweben und sich Brotstückchen zuwerfen lassen (cave: Guano).

Sie haben ein frisches Brot spendiert bekommen, das ich extra für sie einkauft hatte, nachdem ich mir mein Mittagsbrot selbst gegönnt hatte. Und dies obwohl während dem Mittagessen nur knapp ein Meter neben mir von oben ein weiss-bräunliches Möwengeschenk auf den Asphalt geklatscht war.



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