Samstag, 3. Dezember 2011

Projekt #stapo24: Stadtpolizei Zürich twittert live

Polizeialltag: „Unbekannte Nachtbuben treiben Unfug“

Die Stadtpolizei Zürich hat ab Freitagmorgen, 2. Dezember 2011, um 6.30 Uhr während 24 Stunden die Einsätze ihrer Patrouillen live getwittert. Ziel der bislang einmaligen Aktion sei, der Bevölkerung während 24 Stunden einen Einblick in die tägliche Arbeit der Polizei zu bieten, teilte die Polizei vorab mit.

Police Checking Homeless (Constable Stalder)
Kontrolle eines Obdachlosen, Copyright © TeasyNews
Der Live-Feed der Stadtpolizei gewährte vom 2. auf den 3. Dezember 2011 Einblick in einen Polizeialltag, der das Funktionieren von Stadt und Gesellschaft gewährleistet. So erstaunt es nicht, dass wenig Spektakuläres zu vermelden war. Viele Aufgaben der Polizei sind Routine.

Bunt gemischtes Programm

Auf dem Programm stehen für die Stadtpolizei und die Twitter-Gemeinde in diesen 24 Stunden: Brennende Container, nicht ansprechbare Personen, Laden- und Taschendiebstähle, Schlichtung von Streitereien, eine spukende Barriere, Falschparkierer, diverse Verkehrsunfälle, verschiedene Sachbeschädigungen, Einbrüche und aufgebrochene Kellerabteile, Fahrzeugdiebstahl, eine tote Krähe auf der Strasse, ein Blumentopf in der Limmat, Zechprellerei oder der Hotelgast, der die Rechnung nicht bezahlen will, ein Fahrzeug ohne Kontrollschilder, Begleitung von Sanitätseinsätzen bei aggressiven Patienten, ein in einem Liftschacht feststeckender Arbeiter, Hausfriedensbruch, Verhaftung von des Ladendiebstahls Verdächtigten, Störung der Mittagsruhe durch Laubbläser, Streit unter Prostituierten im Kreis „Cheib“, Diebstahl aus einem parkierten Auto, Bettelmusikanten im Tram, ein im Wald gefundener Tresor, gestohlener Schmuck, Bettler im Niederdorf, ein gestürzter Radfahrer, ein defekter Billetautomat, ein Streit zwischen Mieter und Vermieter im Kreis 7, ein gefundenes Portemonnaie, Probleme mit einem Kunden in einer Bank, eine Drogenabhängige, die Probleme macht, eine vergessene Handbremse und die Folgen, Belästigung einer Frau, Streit unter Betrunkenen, eine örtlich desorientierte betagte Frau, alkoholisierte Randalierer und sogar ein renitenter Ladendieb, der zwei Patrouillen erforderte.

Searched
Personenkontrolle, Copyright © TeasyNews
Es folgen ein Schwarzfahrer ohne Ausweis, ein fehlender Schachtdeckel, den die Polizei behelfsmässig ersetzt, jugendlicher Unfug in einem Hinterhof, ein vermisster 85jähriger, Fehlalarm eines automatischen Einbruchalarms, Verhaftung eines Flüchtigen, bei dem Marihuana gefunden wird, Reklamationen wegen Nachtruhestörung (je später desto mehr), Verhaftung von abgewiesenen Asylbewerbern, Überführung eines Betrunkenen in die zentrale Ausnüchterungsstelle (ZAS), ein gestürzter Rollerfahrer, Unterstützung der Sozialdiensteinheit Sicherheit, Intervention, Prävention (SIP) bei der Beruhigung zweier renitenter Betrunkener.
Auch Verstössen gegen den freien Personenverkehr gehen die Polizeibeamten am Sihlquai nach, beenden eine Nachtruhestörung durch Jugendliche, melden frei liegende Stromkabel nach einem Unfall, nehmen Personenkontrollen vor und verhaften einen mutmasslichen Drogenhändler, der sich einer Kontrolle entziehen will.

A Criminal On The Run II
Flucht vor Personenkontrolle, Copyright © TeasyNews
Später macht eine um eine Liegenschaft herumschleichende, „schwarz gekleidete Person mit Taschenlampe“ von sich reden, und die Polizei steigt auf eine Betrugsmeldung aus einem Table-Dance-Lokal ein. Partylärm im Kreis 7, ein Verletzter nach einer Auseinandersetzung zwischen vier Personen und „unbekannte Nachtbuben“, die Unfug treiben, folgen auf den Fuss. 

Verschont bleiben die Beamten auch nicht von Fahrerflucht, Gasgeruch in einer Liegenschaft, Streit in einer Bar im Niederdorf, einem bewusstlos auf dem Trottoir liegenden Mann, der sich als betrunken entpuppt, und Rauch in einem Wohnhaus, der aus der Garage kommt. Sie schlichten eine Schlägerei, untersuchen die offen stehende Tür eines Geschäfts und suchen - vergeblich - eine Frau, die im Kreis 4 auf der Strasse herumschreit.
Auf Trab bringt sie dann auch Streit zwischen Taxifahrer und Kunden, „dubioser und lautstarker Streit in der City“ und ein behaupteter Raub. Zum Schluss gibt es am Samstagmorgen gegen 6 Uhr einen Einbruchalarm in der City, Streit an der Langstrasse, von dem ein Streithahn in die ZAS gebracht wird, ein brennender Zeitungsstapel und schliesslich ein wiederkehrender Alarm eines parkierten Autos, welcher die gesamte Nachbarschaft aus dem Schlaf aufschreckt.

Traffic Cops on Duty (I)
Fahrzeugkontrolle, Copyright © TeasyNews
Stadtpolizei leistet umfassende Erste-Hilfe

Zwischen den Einsatzmeldungen ging die Medienstelle auf Fragen aus der Twitter-Bevölkerung ein und bereicherte den Feed mit allerlei Wissenswertem über die Stadtpolizei.
So war etwa zu erfahren, dass sie seit ein paar Monaten mit Kantonspolizei und Feuerwehr über ein gemeinsames Kommunikationssystem Nachrichten austauscht. Sie bietet der Bevölkerung eine kostenlose Kriminalberatung an und betreibt vier Detektivposten tagsüber, einen nachts. Detektivposten sind Anlaufstellen für kriminalpolizeiliche Belange. Die Detektive nehmen komplexere Anzeigen entgegen. Im Jahr 2010 gab es rund 3'600 Verhaftungen. Aus rund 160'000 Anrufen resultieren etwa 60'000 Einsätze. Polizeieinsätze werden in der Regel nicht dem Anrufer verrechnet. „Lieber einmal zu viel als zu wenig anrufen“, empfiehlt sie. Die iPhone-App der Stadtpolizei wurde bereits 5'000 mal installiert. Eine Android-Version gibt es demnächst. Und die Frontkräfte der Stadtpolizei wurden alle durch Spezialisten von Schutz & Rettung zu „First-Respondern“ beziehungsweise Erste-Hilfe ausgebildet.

Subway
Subway, Copyright © TeasyNews
100 mal um die Erde in einem Jahr

Weiter erfuhren die Neugierigen: Gemäss Betäubungsmittelgesetz ist der Besitz von Marihuana illegal. Die Stadtpolizei verfügt über fünf Regionalwachen, die 24 Stunden offen sind, und tagsüber sind zusätzlich neun Quartierwachen besetzt. Das Polizeimuseum bietet kostenlose Reisen in die (Polizei-)Vergangenheit an. Die Führung dauert rund eineinhalb Stunden. Ein „Verhaftsrapport“ wird intern „ein Roter“ genannt, weil früher rotes Papier in die Schreibmaschine gespannt wurde. Die Patrouillienfahrzeuge tragen die Nummer des Stadtkreises, dem sie zugeteilt sind, und werden mit dem Übernamen „Limmat“ angerufen, zum Beispiel „Limmat6“. Sie sind 24 Stunden mit wechselnder Besatzung im Einsatz und fahren, gemessen an den rund vier Millionen Streckenkilometern, zusammen jährlich mehr als 100 mal um die Erde.

Standby
Standby, Copyright © TeasyNews
Für Demente immer da

Einige Twitterer finden die Aktion #stapo24 so gut, dass sie sich deren Fortsetzung wünschen. Andere wollen wissen, ob für eine Bewerbung bei der Polizei ein Mindestgewicht oder eine Mindestgrösse vorgeschrieben seien – beides ist nicht der Fall. Ob die Kommunikation zwischen den Patrouillen und der Zentrale über Funk oder auch über Mobiltelefone laufe, will @danbell90 wissen. Primär über Funk, heisst es, aber auch Mobiltelefone würden eingesetzt. @sarahrita, die in einem Pflegezentrum arbeitet, will wissen, ob sie für desorientierte, demente alte Menschen jederzeit die Polizei rufen könne. Sie kann. Wie man Detektiv werde, lautet eine andere Frage. Nach der normalen Polizeiausbildung kann man sich dafür bewerben. @leagoldblum fragt sich, ob echte Polizisten nicht auch noch ganz andere Dinge machen, als tote Krähen auflesen. „Wir sind echte Polizistinnen und Polizisten“, erhält sie zur Antwort.

Die Patrouillen sind alle mit Feuerlöschern ausgestattet. Kleinere Brände löschen sie selbständig. Man erfuhr auch, dass die Nachnamen der Polizeihunde ihren Zwinger bezeichnen, beispielsweise „Pako von den drei Tannen“. Die Stadtpolizei setzt Deutsche Schäferhunde, Dobermann, Rottweiler und bayrische Gebirgsschweisshunde ein, letztere hauptsächlich zur Suche von vermissten Personen. Auch Verhaltenstipps gab die Medienstelle auf entsprechende Fragen bereitwillig, zum Beispiel unverzüglich die Polizei zu verständigen, wenn ein Wildtier angefahren wurde.

400 Nachrichten in 24 Stunden

Die Stadtpolizei hat während 24 Stunden rund 400 Nachrichten getwittert, davon zirka 250 über Einsätze. Dabei hat sie dem Daten- und Persönlichkeitsschutz sowie polizeitaktischen Überlegungen stets Rechnung getragen. Auch ein Fanclub warf sich parallel ins Zeug: @Limmat6. Diesem stellte die Medienstelle ein Foto des Patrouillenfahrzeugs Limmat6 zur Verfügung.

Die Medienstelle der Stadtpolizei will das Projekt #stapo24 sorgfältig auswerten und dann entscheiden, ob es zu einer Wiederholung kommt. Sie hat mit diesem Debüt auf jeden Fall einen spannenden Einblick in den Alltag der Stadtpolizei Zürich gewährt. Sie hat transparent ein Bedürfnis der Bevölkerung gestillt.

Quellen:

Copyright © Christian Natiez (Schweiz)