Mittwoch, 9. März 2011

Der Windows Live Writer, für Menschen von heute

Windows Live Writer - Before

Von Christian Natiez

Windows Live Writer von Microsoft ist zum heutigen Zeitpunkt vielleicht eines der nützlichsten Schreibtools des Internetzeitalters überhaupt. Nie war Bloggen einfacher als mit dem Live Writer.

Unter einem Blog verstand man ursprünglich ein Online-Tagebuch von Privatpersonen zu jedem erdenklichen Thema, angefangen bei der eigenen Befindlichkeit im Sinn des klassischen Tagebuchs über Erfahrungen mit dem Hobby bis hin zur Plattform für politische Reden. Inzwischen führen selbst etablierte Medien Themenblogs.
Ob Blog im Genus Neutrum oder Maskulinum sei, wird derzeit noch mancherorts diskutiert. Laut Duden ist sowohl das als auch der Blog korrekt. Der Blog hat also unumkehrbar Einzug in die moderne Gesellschaft gehalten. Im Folgenden seien deshalb die technischen Grundlagen des Bloggens, zwei unterschiedliche Blogsysteme und der Windows Live Writer als Publikationsplattform betrachtet.

Um einen eigenen Blog zu unterhalten, benötigt man zunächst einen Domänennamen, einen Webhost, ein Blogsystem und Zeit und Muße für das Bloggen. Es gibt diverse kostenlose Blogangebote, die Domänennamen, Host und Blogsystem kombiniert und kostenlos zur Verfügung stellen, beispielsweise Blogger von Google oder WordPress von Automattic.
Diese kostenlosen Angebote verfügen in der Regel über für Einsteiger unerhebliche Nutzungseinschränkungen, etwa Speicherplatzbeschränkungen oder Code-Filter, oder der Anbieter behält sich vor, bei hohem Publikumsverkehr Werbung auf dem Blog zu platzieren.

WordPress mit vielen Designs und Optionen

WordPress.com bietet dem Einsteiger mit dem kostenlosen Blogdienst 3GB Speicherplatz, der nebst Text auch Fotos und Dokumente in verschiedenen Dateiformaten aufnimmt. Gesperrt bleiben Audio- und Videodateien. Außerdem filtert WordPress komplexere Web-Code aus den Seiten ihrer Gratiskunden. So ist das Einbinden von Bannern, Werbung oder Buttons von externen Webseiten auf dem eigenen Blog nahezu unmöglich. WordPress-Blogger können neben der von WordPress geschalteten Werbung keine weitere kommerzielle Werbung publizieren.
Als Zückerchen bietet WordPress inzwischen weit über 100 ansprechende Blogdesigns kostenlos an, die jeder Art von Blog entsprechen, vom Nachrichten- bis zum Fotoblog. Schließlich sind WordPress-Blogs unter dem Domänennamen “wordpress.com”, dem durch einen Punkt getrennt ihr Name vorangestellt wird, erreichbar.

Fortgeschrittene Blogger mit hohen Besucherzahlen können von WordPress gegen Bezahlung diverse Zusatzoptionen erwerben, darunter erweiterten Speicherplatz mit der Möglichkeit, Audio- und Videodateien zu speichern, oder Designs aus professionellen Studios, Werbe-Freiheit sowie einen eigenen Domänennamen und volle Code-Freiheit.
Alternativ kann das WordPress-Blogsystem bei einem anderen kommerziellen Host als WordPress oder auf eigenen Rechnern laufen, da das WordPress-Skript von WordPress.org frei verfügbar ist. Es ist äußerlich dasselbe Blogsystem wie das von WordPress.com gehostete. Bei jener fürs Selbsthosting konzipierten Variante des WordPress-Blogsystems stehen jedoch weitaus mehr kostenlose Designs und Widgets zur Wahl als bei Gratishosting durch WordPress.com.

Kostenloses Webhosting

Es bestehen keinerlei Einschränkungen im Betrieb des auf dem Skript von WordPress.org basierten WordPress-Blog. Einzig durch den Hostingdienst vorgegebene Beschränkungen etwa des Speicherplatzes und der Bandbreite schränken den Blog ein. Zu beachten ist allerdings, dass auch die Bandbreite eines Heiminternetanschlusses bei hohen Besucherzahlen und Multimediainhalten wie Videos und Audios überlastet werden könnte.
Die Gesamtkosten, die für ein privates Webhosting zuhause auf eigener Hardware entstehen, sind exorbitant viel höher als die gegenwärtigen Preise für Webhosting durch Dritte oder WordPress-Optionen wie Speicherplatzerweiterungen und eigene Domänennamen. Speicherplatz von einigen zehn oder hundert Gigabytes für den Blog vermögen die Kosten des Heimhostings kaum zu rechtfertigen.

Wer mit WordPress professionell bloggen und dabei ein großes Publikum erreichen will, ist wirtschaftlich gut beraten, den Blog entweder direkt zusammen mit WordPress.com zu betreiben oder das von WordPress.org frei erhältliche WordPress-Skript von irgendeinem Webhostingdienst professionell hosten zu lassen. Privates Heimhosting eines WordPress-Blogs rechnet sich für jene Haushalte, die ohnehin 24/7 einen kleinen Heimserver mit Internetanbindung in Betrieb haben und kein Publikumsaufkommen erwarten, das die heutige durchschnittliche Bandbreite eines Heiminternetanschlusses sprengt. Dasselbe gilt für Vereine und kleine und mittlere Unternehmen, die bereits über eigene Internetserver verfügen.
Wer hingegen über keine eigene 24/7 IT-Infrastruktur mit Internetanbindung verfügt, fährt weitaus günstiger, wenn er sich den Blog von WordPress.com gratis hosten lässt und bei Bedarf die eine oder andere Option erwirbt oder wenn er den mit dem von WordPress.org erhältlichen WordPress-Skript erstellten Blog von einem anderen Hostingdienst betreiben lässt, als wenn er privat oder in einer Kleinorganisation die für den Dauerbetrieb nötige Hardware und Software beschafft, diese wartet, bewirtschaftet und amortisiert. Dabei sind Stromkosten und, je nach Standort des Servers, Lärmimmissionen bei Dauerbetrieb sowie Kostenpunkt einer professionellen Firewall noch nicht mit eingerechnet: alleine die Zeit, die durch das Entfallen der Wartung und Überwachung des Systems eingespart wird, bleibt für das Bloggen frei. Wer keinen Computertechnik- oder Serverblog im Sinn hat, lässt am Besten die Finger vom Heimhosting (der technikaffine Verfasser spricht aus Eigenerfahrung mit einem wassergekühlten Asus KFN32-D SLI Serverboard mit 8GB, 2x Opteron 8018, 4TB RAID HDD System unter XP x64 und virtuell SBS2003 VM / XPpro VMs / Linux x64 und x86 VMs; Experimente 2007-2009).

Blogger, einfach und ästhetisch

Blogger.com bietet ein weitaus einfacheres System als WordPress.com. Als Googledienst ist und bleibt Blogger so kostenlos wie Google Mail. Blogger.com- und WordPress-Blogs sind letztlich schwer vergleichbar. Während alleine schon WordPress.com eine Unmenge an Einstellmöglichkeiten bietet und die Anpassbarkeit der mit dem WordPress.org-Skript betriebenen Blogs durch Widgets und Designs alles überbietet, ist Blogger.com schlichter.
Blogger.com stellt verschiedene Layout-Optionen zur Wahl, diverse Hintergrundbilder. Etwa die Breite und diverse Schriften des Blogs lassen sich einstellen, ebenso Farben und Transparenz. Auch Widgets lassen sich einfügen. Mit den für WordPress-Blogs so zahllos verfügbaren Designs lässt sich die Gestaltungsmöglichkeit eines Blogger-Blogs trotzdem keinesfalls vergleichen. Spitz formuliert ließe sich die Aufmache von Blogger als ein Design bezeichnen, das in etwa so individualisiert werden kann wie ein einzelnes WordPress-Design. Dieser Umstand freilich tut Blogger nicht den geringsten Abbruch: Mit Blogger lässt sich ein hübscher, ansprechender Blog innert weniger Minuten aufsetzen und in Betrieb nehmen. Bis dahin dauert es mit WordPress etwas länger, wenn man sich akribisch durch sämtliche Einstellungen kämpft.

Wie von WordPress.com gehostete Gratisblogs gewissen Einschränkungen unterliegen, haben auch Blogger.com-Gratisblogs Beschränkungen mit den Unterschieden, dass man einen Blogger.com-Blog erstens nicht wie einen WordPress.org-Blog selber oder bei irgendeinem Hostingdienst hosten und zweitens auch nicht wie einen WordPress.com-Blog mit kostenpflichtigen Zusatzoptionen aufrüsten kann:
Mit einem Post in einen Blogger.com-Blog hoch geladene Bilder und Fotos werden im Picasa-Webalbum des Bloggers gespeichert. Google stellt für Picasa-Alben jedoch gesamthaft genau 1GB Speicherplatz gratis zur Verfügung. Wie bei WordPress.com kann dieser Picasa-Speicherplatz gegen Gebühr erhöht werden (laut Mitteilung im offiziellen Google Picasa-Blog hat Google aber dieser Tage diese Beschränkung für Fotos von weniger als 800 Pixel und Videos bis zu 15 Minuten Dauer aufgehoben, womit der Speicherplatz für kleine Bilder und kurze Videos unbeschränkt ist).

Die Qual der Wahl

Weniger Einschränkungen machen Blogger.com-Blogs beim Hinzufügen von Web-Code (HTML und Java-Skript). Es ist problemlos möglich, Banner, Werbung oder Buttons und Widgets von externen Webseiten auf einem Blogger-Blog anzuzeigen. Eine Größenbeschränkung weisen Blogger.com-Blogs im Unterschied zu von WordPress.com gehosteten Gratisblogs nicht auf: während WordPress.com dem Gratisblogger zur Zeit maximal 3GB, die auch durch Textbestandteile eines Blogposts aufgebraucht werden, zur Verfügung stellt, gibt es für Blogger.com-Blogs einzig die teilweise 1GB-Beschränkung für das Bildmaterial im Picasa-Webalbum des Bloggers, die Anzahl Blogbeiträge an sich ist jedoch offen.
WordPress-Blogs gestatten dem Blogger eine detailliertere Kontrolle über die Aspekte seines Blogs, beispielsweise lässt ein Änderungslog die nachträgliche Entwicklung einzelner Posts nachzollziehen. Es erübrigt sich, das eine oder das andere Blogsystem zu bevorzugen. Beide haben Stärken.

Blogger.com-Blogs zeichnen sich durch ihre Schlichtheit in Aufbau und Bedienung aus, die jedem Einsteiger entgegen kommt. Gleichzeitig sind die Gestaltungsmöglichkeiten des Blogger.com-Blogs so umfassend, wie man es sich im Blogalltag wünscht. WordPress-Blogs bieten vergleichsweise eine schier unendliche Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten, die noch so ausgefallenen oder kommerziellen Designwünschen zu entsprechen vermag – und eine riesige Bloggergemeinde.
Für technisch weniger Versierte empfiehlt sich der Blogger.com-Blog zum Einstieg, weil sich in sehr kurzer Zeit ein funktionierender Blog erstellen lässt. WordPress-Blogs überlassen den Blogger zunächst der Qual der Wahl des passenden Designs und schließlich sämtlichen Feineinstellungen des Blogs, auf die der Blogger.com-Blog teilweise ganz verzichtet. Schließlich laden kompliziert gestaltete WordPress-Seiten im Browser schneller als entsprechende Blogger.com-Seiten – bis die Bandbreite in jedem Haushalt das Niveau von Übermorgen erreicht (oder: denk an Deine geneigten Leser).

In Windows Live Writer vereint

Wer einen unkomplizierten, angenehm zu betrachtenden Blog erstellen will, ist mit Blogger.com gut bedient. Dasselbe gilt für WordPress-Blogs mit einfachen Designvorlagen, von denen es eine stattliche Zahl gibt. Web-Profis können bei beiden Blogsystemen das Erscheinungsbild direkt über Änderung des Codes anpassen.
Nachdem der Verfasser einige Experimente mit WordPress gemacht hat und seinen Fotoblog auch dankbar weiterhin zusammen mit WordPress.com hostet, schien ihm die Schlichtheit des Blogger.com-Blogs jedoch optimal für einen unkonventionellen persönlichen Blog. Selbst WikiLeaks führt den Organisationsblog bei Blogger.com. Umgekehrt entpuppen sich verschiedene Blogs von Nachrichtenmagazinen als WordPress-Blogs, zum Beispiel Time Techland, die seit Neustem aber dank WordPress.com VIP nicht mehr angenehm als WordPress-Blogs ins Auge stechen. sondern im Glanz reinsten Industriedesigns erstrahlen.

Mit Windows Live Writer hat Microsoft für den Heimanwender ein fantastisches Blogwerkzeug geschaffen. Windows Live Writer verbindet sich mit jedem gängigen Blogsystem und erlaubt, Blogbeiträge mit seinem einheitlichen Editor zu gestalten. Mit welchem System man auch immer bloggt: Der Live Writer vereint sie alle auf sich. Seine zahlreichen Funktionen, etwa das Bearbeiten von Bildern oder das Verlinken von Bildern anderer Webseiten, sind über Gratis-Plugins erweiterbar. Mit rund 170 solcher zusätzlicher Editierwerkzeuge lässt sich Windows Live Writer kostenlos um viele Funktionen erweitern und für die Bedürfnisse praktisch jedes Anwenderprofils maßschneidern.
Der Writer erkennt automatisch, über welche Funktionen ein Blogsystem verfügt, und präsentiert dementsprechend den Editor: Blogger.com-Blogs kennen im Unterschied zu WordPress-Blogs beispielsweise keine Tags. Je nach System öffnet der Writer das entsprechende Eingabefeld oder nicht. Dank Windows Live Writer können Posts vor Ihrer Veröffentlichung einem sorgfältigen Layoutprozess unterzogen werden. Derweil stellen einen die Webeditoren der Blogsysteme bei langsamen Verbindungen manchmal auf Geduldsproben. Last not least, eine Schaltfläche für Internet Explorer und Firefox erlaubt, mit dem Writer im Handumdrehen per Mausklick zu jeder beliebigen Webseite sofort zu bloggen.

Windows Live Writer - After



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