Montag, 21. Februar 2011

Warnung: Tussis und mehr im Anmarsch

Warum ich heute in der Apotheke war

Warnung an alle! Die Apothekerin hat heute gemeint: "Die Lungenentzündung ist nicht weit (bei diesem Wetter)!" Sie habe zur Zeit sehr viele Kunden mit Erkältung und Lungenentzündung.

Sie war wirklich nett. Sie hat mir noch zwei Päckchen à fünf Papiertaschentücher mitgegeben. Die leichte Rhinitis war also so unübersehbar wie die starke Tussis unüberhörbar war.

Mannomann, selten so gehustet wie seit 7.30 Uhr heute morgen... Mucolytikum nötig 3-4x täglich... Sonst alle 1-3 Minuten Hustenanfälle, die sich gewaschen haben. Oder: Wenn der Morgenkaffee durchs Schütteln bei starkem Husten wieder durch die Speiseröhre hoch schwappt und sich seinen Weg durch Nase und Mund nach draußen bahnt, weiß man, was man zu tun hat...

Vermutlich ein Infekt, denn Rauchen ist zum Glück passé. Ein Infekt? Wenn's ein bakterieller Infekt ist, wird mir der Arzt für 10-14 Tage ein Antibiotikum verschreiben... Mit allen Nebenwirkungen. Die kenne ich hinlänglich. Ich vermeide Antibiotika wann immer möglich. Sie lähmen mich, machen mich phlegmatisch. Müde. Und unlustig. Langsam. Da versuche ich das Problem lieber mal 5 Tage einfach mit dem Mucolytikum und viel Honig-, Kamillen und Erkältungstee zwecks Flüssigkeitszufuhr zu behandeln: Bakterien, die in der Lunge nichts zu suchen haben, sollten mit dünnflüssigem Sekret leicht abgehustet werden können.

Wenn diese Behandlung nicht anschlägt, kann ich am Wochenende immer noch zum Arzt. Schlägt sie an, kostet mich die Behandlung 10-20 Franken. Sind eine ärztliche Diagnose einschließlich eine Blutuntersuchung im Labor nötig, kosten diese die Patientin oder den Patienten (oder die Krankenkasse, je nach Versicherung) 200-300 Franken oder mindestens den Selbstbehalt davon, also 20-60 Franken.

Ob ich nun 10 Franken zahle oder 60, scheint ein kleiner Unterschied. Na ja, das sind immerhin 50 Franken. Einmal gut essen im Restaurant. Zweimal ins Kino.
Ob ich nun 20 Franken oder 300 zahle, ist ein größerer Unterschied, ein Flugticket London retour nämlich, inklusive eine Hotelübernachtung. Oder eine HD Taschenkamera. Oder ein Netbook. Oder ein Paar tolle Inlineskates...

Was mit den Mitmenschen und ihren Arbeitgebern ist, die ich mangels sofortiger antibiotischer Pharmakotherapie via Tröpfcheninfektion eventuell zusätzlich anstecken könnte, wenn es tatsächlich ein bakterieller (oder auch ein viraler) Infekt wäre? Was interessieren mich die und ihre Arbeitgeber? Mich interessiert mein Budget. Richtig, die Moral ist echt top hierorts...
Außerdem interessieren mich die inzwischen gegen Antibiotika resistenten Bakterienstämme und die Taktik zur Vermeidung unnötiger Resistenzen (namentlich erstens die Einschränkung des antibiotischen Therapie auf wirklich nötige Fälle). Nicht wirklich. Also schon. Theoretisch zumindest. Denn in der Praxis kann man nichts dagegen unternehmen. Aber die Resistenzen sind jetzt trotzdem mein Vorwand, der schön tönt, schöner jedenfalls als der eigentliche Einwand, mein Budget. Denn im Ausland, weltweit, werden auch in Zukunft Antibiotika à go go verschrieben, Resistenzförderung hin oder her. Weshalb sollten wir den Gebrauch von Penicillin & Co. also in der Schweiz einschränken? Allenfalls um unnötige Behandlungskosten einzusparen.

Ihr seid also gewarnt, wenn Ihr mir begegnen solltet: Ansteckungsgefahr! Gilt bis Widerruf. Was die Rhinitis und die Tussis zu bedeuten haben, ob ich nun gerade an einem harmlosen grippalen Infekt oder an einer echten Grippe erkranke oder gar ins Anfangsstadium einer Pneumonie rutsche, wird sich weisen. So lange keine erhöhte Temperatur oder mehr spür- und messbar ist, mache ich mir aber noch keine allzu großen Sorgen.

PS: Missversteht die hierorts anscheinend niedrige Moral, die in der Kostenanalyse und den aus dieser resultierenden Konsequenzen sowie in der sowohl der Analyse als auch den Konsequenzen zugrunde liegenden Logik zum Vorschein zu kommen scheint, nur nicht! Der Beitrag ist von Herzen sozialkritisch gedacht.

Aktualisierung:
Die oben geschilderte Sparübung habe ich nicht wie beabsichtigt bis zum Wochenende durchgezogen sondern genau bis am nächsten Tag um 8.05 Uhr am Morgen. Den Arzttermin vereinbarte ich um diese Uhrzeit telefonisch unter asthmatischer Atemnot. Dies nachdem ich das Mucolytikum aus der Apotheke um 7.20 Uhr eingenommen hatte.
Mit dem Mucolytikum hatte ich am Montag eine gute Erfahrung gemacht: es hat gewirkt, den Hustenreiz aufgelöst. Als sich dann am Dienstagmorgen wider Erwarten Komplikationen einstellten, rief ich kurzerhand den Arzt an. Diesmal war es kein länger dauernder Hustenanfall. Der Husten war marginal. Doch war es schlimmer als Tags zuvor: es waren typische Asthma-Symptome, angefangen bei unangenehmer Atemnot und stark pfeifendem Atemgeräusch (Giemen), auf Luftknappheit fußende Sprechschwierigkeiten am Telefon, Engegefühle in der Brust und die gesamten psychologischen Folgeprobleme, welche eine solche Erkrankung des Atemapparats akut bewirkt, alles zusammen auf einen Schlag knapp eine halbe Stunde nach dem Aufstehen am Morgen. Es war mir klar, dass ich den Dienstag nicht in diesem Zustand verbringen wollte und könnte. Ich rief also unmittelbar den Arzt an, um einen Termin zu vereinbaren, und ich wurde aufgrund der deplorablen Atemgeräusche sogar angehalten, sofort vorbei zu kommen.
Die Laboranalyse des Blutes ergab keinen Infekt. Der Internist hält es für möglich, dass die Störung der Atemwege darauf zurückzuführen ist, dass ich drei Wochen zuvor soweit erfolgreich das Rauchen aufgegeben hatte. Schon die Apothekerin hatte am Montag darauf hingewiesen, die Umstellung auf das Nichtrauchen könnte die Problematik begünstigen. Er verschrieb mir Inhalation. Diese wirkt soweit gut. Sogar als ich sie zweimal für 12 Stunden vergessen hatte, hatten sich zu meiner Beruhigung keine Probleme mehr gezeigt. Dennoch appliziere ich sie entsprechend der Verordnung regelmäßig bis zum nächsten Termin.
Was wäre geschehen, hätte ich das Sparprogramm bis zum Wochenende durchgezogen? Diese Frage ist eher hypothetischer Natur, ich bin kein Masochist. Mir scheint, dass ein internistischer Untersuch des Phänomens am Dienstag die absolut richtige Entscheidung war. Da ich umgehend von brennendem Schmerz auf der Lunge beim Husten befreit wurde dank richtigem rezeptpflichtigen Medikament, keinen zähflüssigen Schleim mehr auf der Lunge habe, von keinem pfeifendem Atemgeräusch mehr verfolgt werde und insbesondere weder von Hustenanfällen noch von Atemnot geplagt werde, sind die entstandenen Gesundheitskosten in jedem Fall gerechtfertigt. Vor allem ist jetzt auch klar, dass kein Infekt vorliegt.
Nichtraucher bleibe ich. Das Ziel steht seit mehr als drei Jahren. Offen gesagt steht das Ziel seit 1994. Ich hatte es streckenweise schon erreicht. Nachdem ich also nach fünf rauchfreien Jahren (1999-2003) wieder drei Jahre, die nun zu sechs geworden sind (2004-2011), geraucht hatte, entschied ich, wieder aufzuhören. All dies nachdem ich ursprünglich fünf Jahre (1991-1996) geraucht, darauf zwei Jahre (1996-1998) unterbrochen und anschließend ein weiteres Jahr (1998-1999) geraucht hatte. Zwischen sechs und acht Anläufe sind in den letzten drei Jahren aber jeweils nach nur wenigen Tagen wieder gescheitert. Den paar Mal, da mir der Rauchstopp zuvor schon gelungen war, waren teils auch mehrere Anläufe voran gegangen. Nach dieser Erfahrung werde ich nun erst recht mein Leben gegen das Rauchen und Raucher verteidigen. Denn Rauchen ist eine ernsthafte Krankheit. Und ihre Verbreitung ist ein ernsthaftes Verbrechen. Rückfällig bin ich jedes Mal nur wegen Raucherinnen und Rauchern geworden, die ich in meinem sozialen Umfeld geduldet habe. Ich muss diesen Verein offensichtlich aus meinem Leben komplett ausschließen. Meiner Gesundheit zuliebe. Und meinem Budget zuliebe. Bye-bye smokers!

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 27. Februar 2011, 4:33 Uhr

Samstag, 12. Februar 2011

Unterwegs am Schanzengraben in Zürich

Natur pur inmitten der Zürcher City

Der Schanzengraben ist einer der schönsten Ausflugsorte in der Stadt Zürich. Zu einem Spaziergang von der Gessnerbrücke bis zum Bürkliplatz am Zürichsee lädt diese grüne Fussgängerpromenade mit ihrem optischen und akustischen Reichtum zu jeder Jahreszeit ein. Der kleine Fluss beheimatet diverse in Zürich ansässige Vogelarten.

Ardea cinerea cinerea, by Christian Natiez

Ich erinnere mich gut an die Spaziergänge mit meiner Grossmutter entlang dem Schanzengraben bis zum Bürkliplatz, als ich im Vorschulalter war. Meine Aufmerksamkeit auf den Spaziergängen am Schanzegraben erheischen seit jeher die Schwäne, Stockenten, Möven, Taucherli - und Fische, seien diese unter Wasser oder in einem Aquarium auf dem Weg zum Bürkliplatz.

Der Spazierweg entlang dem Schanzengraben hatte damals noch nicht die heutige Länge. Der Spaziergang begann jeweils beim alten Bahnhof Selnau (heute bei der neuen Börse). Der “neue”, 1984 fertig gestellte Promenadenabschnitt von der Gessnerbrücke bis zur Sihlporte ist heute ein relativ ruhiger, natürlicher und im Sommer sehr grüner Erholungsraum mit vielen Fischen und Vögeln inmitten der Zürcher City.

Einige wenige Graureiher (siehe Photo oben) sind täglich am Schanzengraben anzutreffen, ebenso scharenweise Möven. Besonders aber hat sich die Stockente am Schanzengraben häuslich eingerichtet. Sie ist zu praktisch jeder Tages- und Jahreszeit zu beobachten. Auf meinem Spaziergang am 11. Februar begegnete ich einigen Enten, die gerade mit Nahrungssuche beschäftigt waren (siehe Video oben).

Auch die Kolbenente, die im Zürichsee und in der Limmat siedelt, ist im Schanzengraben anzutreffen, allerdings weitaus weniger häufig als die Stockente oder die Möwe. Wie das folgende Video vom 21. Februar zeigt, ist die Kolbenente im Unterschied zur Stockente ein ausgewachsener Tauchvogel, wenn es um die Nahrungsbeschaffung geht. Der Schanzengraben bietet ihr alles, was sie braucht.

Stockenten hingegen scheinen vor allem in jungen Jahren wie die ausgewachsene Kolbenente unter Wasser auf Nahrungssuche zu gehen. Das folgende Video vom 11. Februar zeigt ein kleines Stockentlein, das im Schanzengraben unter der Sihlporte nach Nahrung tauchte.

Die Vogelstimmen verleihen dem Spaziergang am Schanzengraben eine besondere Magie. Das in der Regel leise Schnattern der Enten ist hie und da zu hören, besonders wenn sie von Passantinnen oder Passanten gefüttert werden. Nebst dem bekannten Möwengeschrei sind etwas seltener auch Graureiherrufe zu hören.
Dass Enten derart laut Quäken wie im folgenden Audioclip zu hören ist, scheint eher die Ausnahme: am Abend des 2. März gaben mehrere Entenweibchen, die sich in gegenseitiger Rufweite befanden, ein reges, nicht Enden wollendes Schnatterkonzert.

Female Mallard Ducks Quack by Christian Natiez

Schließlich lässt sich nicht leugnen, dass sich die Zürcher Möwenpopulation auch entlang dem Schanzgraben breit macht, ganz in ihrer angeborenen Art. Der Möwendreck ist nirgendwo zu übersehen. Ihr Geschrei ist nicht zu überhören, wenn sie auftauchen. Und ihr arttypisches Verhalten insbesondere den Artgenossinnen und -genossen gegenüber (Verscheuchen) ist natürlich auch am Schanzengraben an der Tagesordnung. Eine waschechte Zürcher Möwe hat sich mir am 21. Februar als Modell für eine Kurzvideostudie zur Verfügung gestellt.


Zuletzt aktualisiert:
  • Mittwoch, 17. August 2016, 4.32 Uhr (Anpassungen an HTML5, obsoleter Soundcloud- und YouTube-Embed-Code ausgetauscht)
  • Sonntag, 27. Januar 2013, 1.05 Uhr
  • Dienstag, 8. März 2011, 12.55 Uhr
  • Sonntag, 27. Februar 2011, 3.50 Uhr

Copyright © Christian A. Natiez (Schweiz)